Sport : Der Kronzeuge

Der italienische Radstar Ivan Basso gesteht Doping ein und will mit den Behörden zusammenarbeiten

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Berlin/Rom - Lange hat Ivan Basso jede Verwicklung in den Dopingskandal im Radsport bestritten, jetzt hat er seine Meinung aber geändert. Das Nationale Olympische Komitee (Coni) Italiens teilte gestern mit, dass der Sieger des Giro d’Italia von 2006 seine Beteiligung an dem Skandal um den Mediziner Eufemiano Fuentes zugegeben und seine „maximale Bereitschaft“ zur Zusammenarbeit signalisiert habe. Der 29-Jährige hatte den Chef der Coni-Antidoping-Kommission, Ettore Torri, am Montag von sich aus um ein zweites Treffen gebeten.

Basso war in den vergangenen Tagen von den Behörden eine Art Kronzeugenregelung in Aussicht gestellt worden, bei der mit einer geringeren Bestrafung als der bei Dopingvergehen üblichen Sperre von zwei Jahren rechnen kann.

Am vergangenen Mittwoch war Basso zunächst ohne Ergebnis erneut von der Disziplinarkammer des Coni vernommen worden, dort soll er mit einer erdrückenden Beweislage konfrontiert worden sein. Zudem hatte Basso in der vergangenen Woche den Vertrag mit dem US-amerikanischem Team Discovery Channel aufgelöst. Sollte Basso nun gesperrt werden, könnte er trotzdem unter Umständen bereits im nächsten Jahr wieder fahren.

Der Antidoping-Ausschuss des Coni hatte die Ermittlungen gegen Basso wieder aufgenommen, nachdem neue belastende Unterlagen aufgetaucht waren. Blutproben aus sieben bei Fuentes gefundenen Blutbeuteln mit den Bezeichnungen „Birillo“ (auf diesen Namen soll Bassos Hund hören) und „Nr. 2“ liegen im biochemischen Institut von Interpol in Rom. Diese Klientenkürzel in den Fuentes-Aufzeichnungen ordnet die Guardia Civil Basso zu. Bassos Telefonnummer in der Agenda von Fuentes sowie ein Fax des Mediziners an einen mutmaßlichen Mitarbeiter im Dopingnetzwerk, auf dem Bassos Name auftaucht, weisen weiterhin auf eine Verbindung hin. Zu den Codenamen existieren Abrechnungen über Dopingdienstleistungen und Dosierungs-Anweisungen.

Über die Länge einer Sperre Bassos entscheiden in erster und zweiter Instanz Richter der Disziplinarkommission des Radsport-Verbandes Italiens, bevor letztinstanzlich ein Richter des Coni urteilt. Doch auf Basso kommen weitere Verfahren zu. Die Zusammenarbeit mit den Sportbehörden dürfte Basso aber auch bei der Strafjustiz als mildernder Umstand angerechnet werden. Dort droht ihm droht eine Bewährungsstrafe von vier Monaten bis zwei Jahren. klapp/dpa

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