Sport : Der künftige Mann

Benjamin Lauth vom TSV 1860 ist ein Kandidat für die WM 2006

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Von Detlef Dresslein

München. Er wurde bekannt, weil ihn Werner Lorant nicht kannte. Benjamin Lauth heißt er, ist eher leise und schüchtern. Aber er ist sicherlich eine der deutschen Stürmer-Hoffnungen im Hinblick auf die WM 2006. Zunächst aber soll Lauth seinen Verein, den TSV 1860 München, nach vorne bringen. Heute zum Beispiel gegen Hertha BSC, wenn er zum zweiten Mal den Anpfiff eines Bundesligaspiels in Dienstkleidung auf dem Rasen erleben dürfte.

„Den kenn’ ich nicht“, polterte vor knapp anderthalb Jahren Werner Lorant, damals noch Trainer des TSV 1860, als man ihn fragte, ob man bei der Spielersuche nicht auch mal den eigenen Nachwuchs im Allgemeinen und diesen Benjamin Lauth im Speziellen beachten müsse. Schließlich war er in einer erfolgreichen U20-Jugendmannschaft des DFB mit Denis Lapaczinski, Christian Tiffert und Benjamin Auer tragende Kraft. Aber Lorant wollte von ihm angeblich nichts wissen. Woraufhin sich DFB-Nachwuchstrainer Uli Stielike mächtig echauffierte und befand, dass es mit derlei Vereinstrainern nichts werden könne mit dem deutschen Fußball.

Dabei war’s wahrscheinlich nur ein Missverständnis mit dem knorrigen Lorant, denn sowohl er als auch sein Nachfolger Peter Pacult setzen immer wieder auf Kräfte aus dem Nachwuchs. Und tun sogar etwas für die Nationalmannschaft. Lorant machte Jens Jeremies vom Dresdner Amateur zum Nationalspieler, und er angelte sich Daniel Bierofka. Dieser lief bei den Amateuren des FC Bayern fast täglich vor Ottmar Hitzfelds Nase herum, doch er erhielt keine Chance bei den Profis. Zwei Jahre später wurde er bei 1860 Nationalspieler, nun spielt er für Bayer Leverkusen. Auch Martin Stranzl ist einer, der bei 1860 zum Nationalspieler wurde. Allerdings für Österreich.

Der 21 Jahre alte Benjamin Lauth kickt schon seit der D-Jugend beim TSV 1860. Genau genommen seit 1993, als Vater Lauth mit dem Buben aus Fischbachau nach München fuhr, weil er dachte, es sei ein offenes Probetraining für den Nachwuchs angesetzt. Das war zwar ein Übermittlungsfehler, aber Benjamin durfte dennoch mittrainieren und überzeugte. Benjamin Lauth sagt: „Für junge Spieler ist es bei 1860 viel einfacher, denn die Bayern stehen nun mal unter dem Druck, immer gewinnen zu müssen."

Pacult jedenfalls ist von Lauth überzeugt. „Er kann für uns der zukünftige Mann sein.“ Zumal die Stürmer Davor Suker und Martin Max jeweils schon 34 Jahre zählen. „Die sind nicht mehr die Jüngsten, das ist meine Chance.“ Und Lauth will – und da ist er plötzlich kess – bald für Deutschland spielen. „Natürlich ist die Nationalmannschaft mein Ziel“, sagt er. Ein Ziel, das er zu beiderseitigem Nutzen auch erreichen kann.

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