Sport : Der Künstler arbeitet

Beim Sieg in Mailand zaubert Ronaldinho nicht nur

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Mailand/Berlin - Es war nicht nur dieser eine magische Moment. Als Ronaldinho nach einer Stunde Spielzeit Milans bulligen Zerstörer Gennaro Gattuso abblockte, sich drehte, kurz schaute und dann einen zentimetergenauen Pass in den freien Raum hineinstreichelte, leitete er die Entscheidung im Halbfinal-Hinspiel der Champions League zugunsten des FC Barcelona ein. „Die Musen haben sich in Ronaldinho verliebt und den AC verlassen“, befand die spanische Zeitung „El País“. Und die Sportzeitung „As“ schrieb: „Der König versagt nie! Ronaldinho entschied die Partie mit einem genialen Pass.“ Ludovic Giuly verwandelte die spektakuläre Vorarbeit des Brasilianers zum einzigen Tor des Abends. Aber Ronaldinho hatte in diesem Spiel weit mehr gezeigt als diesen Pass, die schnellen Übersteiger in seinen Dribblings und den lässigen Hackentrick, mit dem er hinter seinem Rücken einen Ball aus der Luft in einer bedrängten Situation souverän zu einem Mitspieler weiterleitete.

In dem hart umkämpften Spiel beim AC Mailand war nicht nur der Ronaldinho zu sehen, der sein breites Lächeln mit den abstehenden Vorderzähnen zeigt, obwohl er gerade nach einem unwiderstehlichen Alleingang nur den Pfosten getroffen hatte, nachdem ihm Giuly bei einem Konter in vorauseilendem Gehorsam im Mittelfeld den Ball überlassen hatte. Es war auch der Ronaldinho zu bestaunen, der seinen Mitspielern mit Gesten und Worten vehement taktische Anweisungen und zu verstehen gab, wohin sie zu laufen hätten, auch wenn es unwahrscheinlich schien, dass selbst Ronaldinho den Ball im nächsten Moment dorthin spielen könnte.

So bedeutete er Giuly bereits in der ersten Halbzeit, in eine enge Gasse zwischen zwei Mailänder Spieler zu laufen, der Ball aus 50 Metern Entfernung fiel genau in den Lauf des Franzosen. Es war eine der ersten Szenen, in denen Ronaldinho sich freizuspielen begann. Mailand hatte zwei gute Chancen zur Führung durch Gilardino und Schewtschenko vergeben, und Ronaldinho hatte bei den Gastgebern außer bei einem Freistoß noch keine Angst vor einem Gegentor aufkommen lassen. Zu weit weg hielten ihn Gattuso und die anderen, die sich zu mehreren auf Ronaldinho stürzten, wenn der Ball in dessen Richtung kam.

Aber anders als Mailands brasilianischer Star Kaká, der von Barcelonas Abwehr fast komplett aus dem Spiel genommen wurde, befreite sich Ronaldinho aus der ständigen Umklammerung. In der ersten Viertelstunde war nicht jedes Foul gegen ihn gepfiffen worden, und ein oder zwei Grätschen von Gattuso hätten mit der gelben Karte bestraft werden können. Als Ronaldinho merkte, dass er an diesem Abend unter keinem besonderen Schutz stehen würde, suchte er sich andere Wege. Er lief viel, wich auf andere Positionen aus, holte sich den Ball fast vor der Abwehr. Der Künstler wurde auch deshalb zum Chef auf dem Platz, weil er so viel arbeitete.„Es ist eine Ehre, hier zu siegen“, sagte Ronaldinho nachher.

Die italienischen Zeitungen äußerten am Tag nach der Niederlage noch Hoffnung, dass der AC Mailand im Rückspiel in einer Woche das Finale erreicht. Schließlich sei dort Stürmer Filippo Inzaghi wieder dabei. Ronaldinho wird es auch sein. klapp/dpa

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