Sport : Der Künstler lässt sein Werk sprechen

Wieder mal verzaubert Raúl die Schalker Fans.

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Und drin! Raúl bei seinem Kunstwerk gegen Hannovers Torhüter Zieler. Foto: dapd
Und drin! Raúl bei seinem Kunstwerk gegen Hannovers Torhüter Zieler. Foto: dapdFoto: dapd

Horst Heldt wirkte nach den 90 Minuten ziemlich entspannt. Dabei musste er sich eigentlich um seine Gesundheit Sorgen machen. Denn das 3:0 des FC Schalke gegen Hannover 96 hatte seinen Angaben zufolge gravierende Folgen für seine Zähne. „Beim zweiten Tor sind mir die Plomben rausgefallen. Da stand mir der Mund offen“, sagte der Manager der Schalker. Es war wieder einer dieser Treffer, dessen besonders kunstvolle und technisch anspruchsvolle Ausführung gepaart war mit einer scheinbaren Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, für die Raúl einen Alleinanspruch zu besitzen scheint. Das Publikum in der Schalker Arena erhob sich spontan von den Sitzen und feierte den Künstler und sein Werk. Mit der linken Fußsohle hatte Raúl den Ball zur Seite bugsiert und diesen dann mit rechts aus spitzem Winkel eingeschoben. „Manchmal muss man einfach anerkennen, wenn ein Spieler eine so tolle Aktion zeigt. Raúl war Weltklasse“, sagte Hannovers Torhüter Ron-Robert Zieler.

Doch die Niedersachsen waren nicht nur wegen der ehrlich gemeinten Anerkennung für diesen Treffer angenehme Gäste für die Schalker. Denn während der gesamten Partie, bei welcher der Spanier auch den ersten Treffer erzielte und Klaas-Jan Huntelaar den Endstand herstellte, waren sie zu keiner Zeit ein ebenbürtiger Gegner. Beide Angreifer haben in der laufenden Saison mit 38 Treffern nun ein Tor mehr erzielt als die gesamte Hannoveraner Mannschaft. Das Aus im Europacup gegen Atletico Madrid drei Tage zuvor schien tiefe Spuren hinterlassen zu haben. „Wir hatten keine Chance“, sagte Hannovers Trainer Mirko Slomka.

Für die Schalker bedeutete dieser Sieg bereits einen Teilerfolg auf dem Weg zu ihrem wichtigsten Saisonziel. Die Qualifikation für die Europa League in der kommenden Saison haben sie damit bereits geschafft. „Es gilt für uns jetzt weiterzumachen“, sagte Klaas-Jan Huntelaar. Derzeit liegen die Schalker mit fünf Punkten Vorsprung vor Borussia Mönchengladbach auf Platz drei in der Bundesliga-Tabelle und haben die direkte Qualifikation für die lukrative Champions League unmittelbar vor Augen. Mit einem Sieg am Mittwoch in Nürnberg wäre ihnen die Teilnahme auch angesichts der derzeit schwächelnden Gladbacher kaum noch zu nehmen.

Sollten diese Fakten endgültig geschaffen worden sein, könnte dies auch Auswirkungen auf die Zukunftspläne von Raúl haben, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft. „Es könnte gut sein, dass er erst mal schauen möchte, ob wir uns für die Champions League qualifizieren“, sagte Horst Heldt. Die seit einigen Monaten andauernden Verhandlungen zwischen den Schalkern und Raúl waren zuletzt ins Stocken geraten. Und die spanische Zeitung „Marca“ meldete jüngst, der Spanier werde nach der Saison nach Katar wechseln. „Was ich von seinem Berater vermittelt bekomme, ist etwas völlig anderes. Und ich glaube, was der mir sagt“, erklärte der Schalker Manager. „Ich bin weiterhin optimistisch.“ Ein Zeitpunkt für Raúls Entscheidung sei nicht ausgemacht. „Ich möchte, dass jeder Spieler voller Überzeugung bei uns spielt“, sagte Heldt. Er würde einen Entschluss auch bis nach dem Saisonende abwarten.

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