Sport : Der Kurzarbeiter

Jürgen Klinsmann wird bis zur WM 2006 Teamchef der Nationalmannschaft – länger mag er wohl nicht

Friedhard Teuffel

Berlin - Für die Sanierung der Nationalmannschaft gibt es jetzt einen Zweijahresplan und auch jemanden, der ihn erfüllen soll. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat die Verantwortung für diesen Zweijahresplan gestern bis zur Weltmeisterschaft 2006 Jürgen Klinsmann halb offiziell übertragen. Pressesprecher Harald Stenger gab jedenfalls den Stand der Verhandlungen zwischen dem Verband und Klinsmann bekannt, und der lautete: „Jürgen Klinsmann und der DFB haben sich darauf verständigt, dass Klinsmann einen Zweijahresvertrag als Teamchef unterschreiben wird. Alle weiteren Details werden bei Vertragsabschluss bekannt gegeben.“

Die wichtigste Leitungsposition der Nationalmannschaft hat der DFB nun also besetzt, auch wenn Klinsmann seinen Vertrag noch nicht unterschrieben hat. Die Laufzeit des Vertrages ist dabei ein keineswegs unwichtiges Detail. Über sie war bis gestern viel spekuliert worden. Es hieß beispielsweise, der 39 Jahre alte frühere Nationalspieler habe eine Option auf eine längere Laufzeit abgelehnt. Stenger sagte jedoch auf Anfrage, dass auch der DFB in den Verhandlungen nichts anderes wollte: „Auf diese Laufzeit haben sich beide Seiten von vornherein verständigt.“ Klinsmann und der DFB hätten ohne eine Vertragsverlängerung nach dem WM-Finale am 9. Juli 2006 nur ein paar Wochen, um sich wieder voneinander zu lösen.

Die Laufzeit kommt beiden Seiten entgegen. Der DFB bindet sich nicht zu lange an einen Teamchef, der zwar einen Trainerschein hat, aber keine Trainererfahrung. Und Klinsmann muss seinen Vertrag nicht brechen, um nach zwei Jahren wieder zurückzukehren zu seiner Familie nach Kalifornien. Klinsmanns Frau ist Amerikanerin, sein Sohn geht dort zur Schule. „Wir haben uns dort unsere familiäre Existenz aufgebaut“, hat Klinsmann am Samstag bei seiner Ankunft in Deutschland gesagt, und es klang nicht so, als wolle Familie Klinsmann ihren Lebensmittelpunkt auf Dauer nach Deutschland verlegen.

In den abschließenden Gesprächen gehe es ausschließlich um sportliche Details, sagte Stenger. Auf die Bezahlung hatten sich beide Seiten schon bei der ersten Verhandlungsrunde am Samstag in Stuttgart geeinigt. Auch da sah sich Stenger gezwungen, den Spekulationen zu widersprechen. Die „Bild“-Zeitung hatte berichtet, Klinsmann erhalte für sein zweijähriges Engagement insgesamt fünf Millionen Euro. „Diese Größenordnung ist absolut unzutreffend. Die finanzielle Größenordnung für alle drei Gesprächspartner orientieren sich an einem für das jeweilige Aufgabengebiet angemessenen Rahmen.“

Die beiden anderen Gesprächspartner sind Holger Osieck als möglicher Trainer an Klinsmanns Seite und Oliver Bierhoff als Teammanager. Die Verhandlungen mit Osieck beginnen erst heute, wenn er aus Kanada zurückkehrt, mit Bierhoff soll sich Klinsmann schon getroffen haben. Der Gesprächsbedarf mit Bierhoff dürfte ohnehin etwas größer sein. Denn es steht noch nicht fest, was er als Teammanager überhaupt tun soll. Seine Hauptaufgabe soll aber wohl die eines Verbindungsmanns zur Bundesliga, zu Medien und Sponsoren sein.

Mit Bierhoff dürfte der DFB auch noch über dessen Verträge sprechen. Bierhoff ist schließlich Repräsentant des amerikanischen Sportartikelkonzerns Nike, der DFB dagegen wird schon seit fünfzig Jahren von Adidas ausgerüstet. Bierhoff sieht keinen Interessenskonflikt: „Ich bin ja auch Fifa-Botschafter, und da gibt es keine Probleme.“ Adidas ist ebenfalls Sponsor des Welt-Fußballverbandes Fifa. Die Marke will Bierhoff nicht wechseln: „Ich habe noch nie Verträge gebrochen.“ Erst einmal muss der DFB Verträge schließen mit dem neuen Triumvirat, und vielleicht wird ihm das noch in dieser Woche gelingen.

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