Sport : Der lange Lauf um die Ehre

Der Berliner Eric Walther wird als erster Deutscher Weltmeister im Modernen Fünfkampf – nun träumt er vom Olympiasieg 2004 in Athen

Ingo Wolff

Wer die italienische Adriaküste verlässt, trägt gewöhnlich Erinnerungen an Sonne, Strand und Meer mit sich. Eric Walther genießt den Trip vom kleinen Ort Pesaro südlich von Rimini zum Flughafen nach Bologna ebenfalls. Doch die Gedanken des Fünfkämpfers kreisen nicht um einen verflossenen Urlaub, er genießt das Wohlgefühl nach einem harten körperlichen Job. Der 28-jährige Berliner hat gerade als erster Deutscher den Weltmeistertitel im Modernen Fünfkampf gewonnen. Der Berufssoldat träumt nun auf der Rückbank eines Busses vom größten deutschen Erfolg in dieser Sportart seit dem Olympiasieg von Gotthard Handrick 1936 in Berlin. „Es ist ein unglaubliches Gefühl“, sagt Walther. Er wirkt vom Erfolg noch ein wenig benommen. Ohnehin gehört der rothaarige Berliner eher zu den wortkargen Sportlern. Bei dem umfangreichen Trainingspensum, das vom Fünfkämpfer viel Disziplin und Durchhaltevermögen verlangt, ist das kein Wunder.

Wie viel ihm dieser Titel wert ist, wird klar, wenn man um die wahre Motivation der Fünfkämpfer weiß: „Bei uns geht es allein um die Ehre“, sagt Walther. Mehr als Ruhm lässt sich selbst bei größtem Fleiß nicht aus dieser Sportart herausholen. Geld können die Athleten mit dem Schwimmen, Fechten, Reiten, Laufen und Schießen jedenfalls nicht verdienen. Daher ist das einzige Ziel jedes Fünfkämpfers ein Titel. „Die größte Motivation sind natürlich die Olympischen Spiele.“

Daher zehrt die Diskussion um den Verbleib des Fünfkampfs im olympischen Programm ununterbrochen an den Nerven. „Es wäre für uns fatal, wenn wir aus dem Programm fallen würden.“ Die Sportart, die der Neugründer der Olympischen Spiele, Pierre de Coubertin, einst als Krone für die Weltspiele erfand, findet nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. „Wenn man Weltmeister wird und es keiner mitbekommt, ist das deprimierend. Aber wir haben uns damit abgefunden.“ Trotzdem wird gerade nach solchen Erfolgen in seiner Gruppe über die mangelnde Medienpräsenz diskutiert. Ein wenig Neid auf andere Sportarten kommt da schon auf. „Besonders wenn man sieht, dass im Fußball selbst über die Zweite Liga groß berichtet wird.“ Da tut die ungewisse Zukunft in der eigenen Sportart selbst nach solch einem Titel weh. Doch zumindest für Athen im kommenden Jahr und auch für Peking 2008 ist der Verbleib gesichert. „Ich glaube, dass es auch nach 2008 weitergeht“, sagt Walther.

Ohnehin drehen sich seine Gedanken nach diesem Erfolg jetzt erst mal nur um die Spiele in Athen. Weiter reichen seine Zukunftspläne nicht - weder sportlich noch beruflich. In Athen gilt Walther laut seines Trainers Rudi Trost nach dem Erfolg in Pesaro als Mitfavorit. „Zwischen Platz eins und zwölf ist alles möglich. Eric gehört aber in jedem Fall zu den Top drei oder vier“, sagt der Berliner Trainer, der den besten deutschen Fünfkämpfer einst in seine Kindergruppe holte und ihn bis heute betreut. Er hat ihm auch die Spezialtrainer besorgt, die ihn sportlich so weit gebracht haben. „Es ist eine lange Suche nach dem richtigen Trainer fürs Detail“, erklärt Trost.

Ein neuralgischer Punkt war für Walther früher das Schießen. Selbst mit seiner Begabung fürs Laufen und Schwimmen konnte er den Mangel mit der Pistole nicht ausgleichen. Der passende Trainer für den jungen Athleten wurde nicht gefunden. Seit drei Jahren ist Walther nun bei einem erfahrenen Trainer in Potsdam. Günther Weber – inzwischen schon über 70 Jahre alt – hat aus ihm einen sicheren Schützen gemacht. Auch wenn er ausgerechnet im Finale wieder ein wenig nervöser schoss. „Das Schießen war diesmal nicht optimal“, sagt Eric Walther, „aber früher wäre ich mit der Leistung vor Freude an die Decke gesprungen.“ Auch die Pferde waren überraschend gleichstark, so dass die Verteilung per Auslosung diesmal kein Glücksspiel für die Athleten wurde.

Seine Leistung hat gereicht, um hinter dem Schweden Eric Johansson und dem führenden Michal Michalik aus Tschechien ins abschließende Jagdrennen zu gehen. Zugute kam ihm dabei, dass er Johansson schon lange kennt. Nachdem beide zu dem Tschechen aufgeschlossen hatten, liefen sie lange gemeinsam. Erst im Stadion rannte der deutsche Eric dem schwedischen Eric weg. „Der hat natürlich versucht davonzukommen,“ sagt Walther schmunzelnd, „er kennt ja meine Sprintstärke.“ Sein Wissen hat dem Schweden auf den letzten 80 Metern nichts mehr genützt.

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