Sport : Der lange Weg zum Tor

Warum sich viele NHL-Spieler in der DEL schwer tun

Claus Vetter

Berlin – Seit einem Monat ist Erik Cole in Berlin. Sechs Spiele hatte der US-Amerikaner vor der gestrigen Partie der Eisbären gegen Hannover (bei Redaktionsschluss noch im Gange) bereits absolviert. Die Berliner haben Cole als Torjäger verpflichtet. Schließlich hat der Stürmer entsprechende Referenzen. In 237 Spielen in der National Hockey-League (NHL) hat Cole 54-mal getroffen. Und weil in der besten Eishockey-Liga der Welt wegen des Streits zwischen Klubbesitzern und Spielergewerkschaft zurzeit nicht gespielt wird, will Cole diese Saison seine Tore für die Eisbären erzielen: Bisher ist es beim Willen geblieben. Cole hat noch kein einziges Tor in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) geschossen.

Natürlich ist die magere Bilanz für einen so laufstarken und technisch versierten Spieler wie Cole überraschend. Coles Statistik lässt sich aber einordnen: Der Frankfurter Patrick Lebeau und Jan Stastny führen mit je elf Treffern die Torschützenliste der DEL an. Beide haben neben ihren elf Toren noch etwas gemeinsam: Sie waren schon vergangene Saison in Deutschland. Der torgefährlichste NHL–Profi mit Beschäftigung auf Zeit in der DEL ist bisher Marco Sturm. Der deutsche Nationalspieler hat zehn Tore geschossen. Neben Teamgefährte Andy McDonald (sieben Tore) ist er der einzige von zehn in der DEL tätigen NHL-Spielern, der unter den besten 30 Torschützen der Liga zu finden ist.

Pierre Pagé erstaunt es nicht. „Ich habe den Nordamerikanern schon immer gesagt, dass es in Europa schwerer ist, Tore zu schießen“, sagt der Trainer der Eisbären. Bei vielen – so zuletzt auch bei Cole – würde er aber nur ein Lächeln ernten, sagt Pagé. „Dabei stimmt es. In der NHL ist der Weg zum Tor kürzer als in der DEL, wo die Eisflächen größer sind. Zudem wird in der DEL kompakter verteidigt.“ Chris Reynolds, Sportdirektor der Hamburg Freezers, hat eine ähnliche Erklärung. „In Amerika hat ein Stürmer andere Laufwege, dann ist er mehr in der Defensive beschäftigt“, sagt der Kanadier. „Deshalb hat ein Spieler wie Lebeau aber auch keinen Erfolg in der NHL gehabt, weil er defensiv nicht so stark ist.“

Zum Dauerproblem sollte die Angst vor dem Tor für die Gastarbeiter in der DEL aber nicht werden. „Die Umstellung auf das europäische Spiel werden sie in ein paar Wochen geschafft haben“, glaubt Pagé. Und dann sollten Cole und Kollegen auch in der DEL häufiger ins Tor treffen als bisher.

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