Sport : Der lange Weg zurück

Nicht nur Jens Lehmann hat Borussia Dortmund abgesagt – es wird noch ein paar Jahre dauern, bis wieder Stars zum BVB kommen

Sascha Fligge[Marbella]

„Sieben Minuten“, sagt Borussia Dortmunds Chef Hans-Joachim Watzke, „haben ausgereicht, um mit Jens Lehmann in finanzieller Hinsicht Einigkeit zu erzielen.“ Sieben Minuten, die den BVB nicht entscheidend vorangebracht haben, wie man seit Freitag weiß. Der deutsche Nationaltorhüter bleibt in England. „Aus privaten Gründen“, sagt er. Inzwischen mehren sich allerdings Stimmen, die besagen, fiskalische Aspekte hätten eine entscheidende Rolle für den 38-Jährigen gespielt. Denn Lehmann hätte im Falle eines Wechsels neben dem BVB-Gehalt auch die Erträge seines Vermögens in Deutschland versteuern müssen – sofern er 2008 auf mehr als 182 Tage in Deutschland gekommen wäre.

Borussia Dortmund steht nach Lehmanns Absage, die er „sehr bedaure, weil sich die Klub-Verantwortlichen professionell um mich bemüht haben“, mit leeren Händen da. Und das nicht zum ersten Mal. Der Klub, der 1997 die Champions League gewann, auf dem Höhepunkt eines gigantischen Finanzwahnsinns im Jahr 2002 67 Millionen Euro an Gehältern in seinen Kader pumpte und unmittelbar vor der Insolvenz stand, geht aus Vertragsverhandlungen mittlerweile auffallend häufig als zweiter Sieger hervor.

Vor einem Jahr wollte der BVB Marcelinho verpflichten. Zwei Tage warteten die Journalisten auf das Erscheinen des Brasilianers. Doch der wechselte lieber für mehr Geld zum VfL Wolfsburg. „Er hat Forderungen gestellt, die wir nicht erfüllen wollten. Das ging zu weit“, sagte Sportdirektor Michael Zorc damals. In der Folgezeit scheiterten auch die Bemühungen um Nigel de Jong (heute Hamburger SV), David Rozehnal (Newcastle United), Yildiray Bastürk (VfB Stuttgart), Andreas Hinkel (Celtic Glasgow) sowie Trainer Ottmar Hitzfeld (Bayern München). Mit den Beratern von de Jong und Hinkel war der BVB nach eigener Aussage bereits einig, Rozehnal wäre „gerne nach Dortmund gewechselt“, durfte aber nicht. Hans-Joachim Watzke sagt: „Wir konnten Paris St. Germain nicht wie Newcastle fünf Millionen Euro Ablöse zahlen.“

Mit Können und Wollen ist das noch immer so eine Sache beim einstigen Branchenriesen Borussia Dortmund. Da sind auf der einen Seite die mehr als 70 000 Zuschauer, die zu jedem Heimspiel strömen und dem BVB europaweit eine Spitzenposition einbringen. Gepaart mit den großen sportlichen Erfolgen der Vergangenheit führt dies zu einem enormen Anspruchsdenken. Dem allerdings stellt der Klub zurzeit nur einen soliden Finanzrahmen gegenüber. 32 Millionen Euro gibt Dortmund für seine Spieler aus. Bremen, Stuttgart, Leverkusen, Schalke, Hamburg und Wolfsburg investieren zum Teil deutlich mehr. Bis 2011 will Watzke wieder zu diesen Klubs aufschließen, durch einen neuen Ausrüstervertrag und das Vorhaben, den Klub in Zukunft in Eigenregie zu vermarkten. Mit insgesamt „rund zehn Millionen Euro mehr pro Jahr“, rechnet Watzke ab 2010. Geld, das den Traum von prominenten Spielern realisieren helfen und die Rückkehr ins internationale Geschäft ebnen soll.

Aktuell trauern die BVB-Verantwortlichen aber noch Jens Lehmann hinterher. Es war eine kühne Idee, die gut gepasst hätte“, sagt Watzke. Sportdirektor Zorc schließt nicht aus, „dass wir jetzt nur noch einen Torhüter für die Regionalliga-Mannschaft verpflichten werden“. Es wäre nicht zum ersten Mal die kleine Lösung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben