Sport : Der lange Weg zurück

Die Wasserballer des SC Magdeburg sind als erstes Ost-Team wieder erstklassig

Hartmut Moheit

Am Ende ließen alle doch ein wenig die Köpfe hängen, die Wasserballer des SC Magdeburg und auch ihre 600 Fans. Die Premiere in der Ersten Bundesliga war mit 4:9 gegen Würzburg nicht wie erhofft gelaufen. Schließlich hatte Trainer Stefan Piske den Gegner als einen der Kontrahenten ausgemacht, die mit seinem Team letztlich um den Abstieg spielen werden. Auch die SG Neukölln zählt der 45-Jährige dazu, bei der die Magdeburger morgen (15.30 Uhr, Schwimmsporthalle Schöneberg) spielen. „Wir werden weiter kämpfen“, verspricht Piske, der seit 2000 die Mannschaft trainiert, „der Begeisterung für Wasserball in Magdeburg wird der misslungene Start keinen Abbruch tun.“

Es ist kein Zufall, dass gerade die Wasserballer aus Magdeburg als Erste aus dem Osten den Aufstieg in die höchste Klasse geschafft haben. Mit Zuschauerzahlen schon in der 2. Liga, von denen andere Mannschaften über ihnen nur träumen können. „Das war früher auch so“, sagt Wolfgang Zein. Früher, damit meint der 57-Jährige die Sechzigerjahre, in denen die DDR-Wasserballer zur Weltspitze zählten. Es waren glorreiche Zeiten mit zweiten Plätzen bei der Europameisterschaft und im Europacup sowie zwei sechsten Rängen bei Olympia in Tokio und in Mexiko. „Bei den Olympischen Spielen war ich leider nicht dabei“, erzählt Zein, aber mit 130 Länderspielen konnte er auf München 1972 hoffen. Magdeburg war Wasserball-Hochburg, die bundesdeutschen Teams waren damals den ostdeutschen Mannschaften unterlegen.

Der Grund dafür, dass Olympia für Wolfgang Zein ein Traum blieb, liest sich im Leistungssportbeschluss der Ost-Sportführung von 1969 so: „In den Jahren 1970 bis 1971 ist – nach umfassender politisch-ideologischer Vorbereitung – eine stärkere Konzentration auf die entscheidenden olympischen Sportarten vorzunehmen. Gleichzeitig ist die Förderung für Basketball, Hockey, Moderner Fünfkampf, Wasserball sowie alpinen Skisport einzuschränken.“ Einzuschränken? Es war das Aus für diese Sportarten. „Wir mit Dynamo Magdeburg merkten zunächst davon noch am wenigsten, bis zum September 1972.“ Als letzte Hoffnung sahen seine Mitstreiter eine so genannte Eingabe an Honecker. Die hat ihn wahrscheinlich nie erreicht, aber eine Versammlung zur Läuterung der Aufmüpfigen war schnell anberaumt worden. Die DDR-Wasserballer gehörten längst nicht mehr zur internationalen Familie. „Auch mir wurde damit sehr viel genommen“, sagt Wolfgang Zein. „Wir fanden uns dann später bei der SG Handwerk wieder zusammen, aus Spaß am Wasserball.“

Dass Zein und seinen Mitstreitern diese Freude niemand nehmen konnte, ist ein Wunder. Die Wende in Deutschland kam für sie alle zwar vom aktiven Sportleralter her zu spät. Sie kam aber nicht zu spät, um den Neuanfang zu wagen. Das passierte nicht allein in Magdeburg, aber dort hat man es am weitesten gebracht. Auch mit Hilfe ausländischer Spieler, aber bei der Jugend-EM in Istanbul spielte ein Magdeburger für Deutschland. Das soll erst der Anfang sein, die Wasserballer sind in der Stadt wieder eine Größe. Wenn am 28. Februar die sanierte Elbe-Schwimmhalle übergeben wird, dürfen sie vor 1000 Zuschauern gegen Hamm spielen. Dann geht es erneut gegen einen Abstiegskandidaten.

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