Sport : Der langsame Abstieg vom Berg

Beim 1. FC Kaiserslautern konzentriert sich die Kritik jetzt auf Cheftrainer Andreas Brehme

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Von Oliver Trust

Kaiserslautern. Für viele ist es nur noch ein sich etwas hinziehender Abschied. Für andere ist Andreas Brehme als Trainer schlicht „untauglich". Der „unfähige Vorstand“ sei schuld, und die Spieler würden sich nicht den „Allerwertesten aufreißen". Der Ton in Kaiserslautern wird rauer. Die Leserbriefspalten quellen über und die Ergebnisse einer Umfrage der Zeitung „Rheinpfalz“ fallen deutlich aus. 83 Prozent fordern einen Neuanfang. Nur zehn Prozent glauben, Brehme werde die tiefe Krise meistern. Eine ganze Woche glaubten die Macher des 1. FC Kaiserslautern selbst an die große Wende. Bis zu diesem ernüchternden 0:4 in Teplice und dem Aus im UI-Cup, einer Niederlage, die den Klub nicht nur in finanzielle Schwierigkeiten bringt (es fehlen rund acht Millionen Euro), sondern ein Festhalten an Brehme fast unmöglich macht.

Jetzt will Aufsichtsratschef Robert Wieschemann „analysieren, was da passiert ist". Gestern saß er stundenlang am Telefon, um Gespräche zu führen. „Der Eindruck täuscht nicht, dass wir hier mit vielen Dingen zu lange gewartet haben“, sagt er. Das kann alles heißen. Von Selbstkritik bis zur Erkenntnis, dass es vor allem eine zaudernde Führung ist, die den 1. FC Kaiserslautern zum 1. FC Zögerlich macht und für Chaos sorgt. Vielen dämmert nun, dass es wohl eine saubere Lösung gewesen wäre, sich von Brehme und Stumpf schon zum Ende der vorigen Saison zu trennen, als der FCK den Platz im internationalen Geschäft verspielte. Stattdessen verlängerte man die Verträge bis 2004.

Brehme wird inzwischen von den Spielern nur noch selten ernst genommen. „Ich“, sagt Wieschemann, von Beruf Insolvenzverwalter, „war immer Brehmes härtester Kritiker. Ich würde es als unfair empfinden, wenn man verlangt, dass sich innerhalb einer Woche alles ändert.“ Nun spüren sie die Last, die vom Rucksack voller Enttäuschungen ausgeht, den sie herumtragen. Die Angst vor dem ersten Heimspiel am 18. August gegen Schalke 04 geht um. Eine Niederlage zum Start in Stuttgart, und es ist vorbei mit der Geduld der Fans. Der erste Auftritt im Fritz-Walter-Stadion geriete zum Spießrutenlaufen. Schon in Teplice mussten sich die Spieler beißenden Spott anhören. Mario Basler stieg aus dem Bus aus und beruhigte mit ein paar Kollegen die wütenden Anhänger.

„Er muss die Disziplin wahren“, sagt Wieschemann zu dem, was Basler vorher auftischte. Erst wollte er vom Platz, dann fiel er durch abfällige Armbewegungen und ein patziges Interview („Neid muß man sich erarbeiten“) auf. Dass Brehme den Laden in den Griff bekommen kann, daran zweifeln offenbar inzwischen auch die Spieler.

„Es haben fünf oder sechs Stammspieler gefehlt, aber so darf man trotzdem nicht verlieren“, sagt Wieschemann. Fatal, dass Kapitän Thomas Hengen als Regulativ fehlte und sich stattdessen in Donaustauf nach einer Verletzung auf sein Comeback vorbereitet. Hengen wird gegen Stuttgart nicht spielen können, „auch Schalke ist sehr fraglich". Eines sei jetzt klar, es müssten positive Resultate her. „Zum Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft kann man sich nach einer Woche schwer ein Urteil bilden“, sagt Hengen. Das aber will Wieschemann nun tun. „Man muss jetzt die Frage stellen, wie es um das Verhältnis zwischen Brehme und der Mannschaft bestellt ist.“ Eines stellt der Mann mit der tiefen Stimme schon jetzt fest: „Hier herrscht keine freudige Stimmung".

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