• Der Lehrling ist erwachsen geworden Bobby Brown spielt heute mit Oldenburg gegen Alba

Sport : Der Lehrling ist erwachsen geworden Bobby Brown spielt heute mit Oldenburg gegen Alba

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Zurück in Berlin. Bobby Brown (r.) kommt erstmals mit Oldenburg zu Alba. Foto: p-a
Zurück in Berlin. Bobby Brown (r.) kommt erstmals mit Oldenburg zu Alba. Foto: p-aFoto: picture alliance / Digitalfoto M

Berlin - Vor gut vier Jahren hatte Bobby Brown noch nicht viel von der Welt gesehen. Seine erste Profistation bei Alba verwirrte den 22 Jahre alten Basketballer gehörig. „Ich wusste nicht, was mich erwartet“, erinnert sich Brown, „als wir in Kranjska Gora im Trainingslager waren, habe ich mich gefragt: Ist das jetzt Berlin?“ Brown gelang es dann ziemlich schnell, die Einsamkeit in den slowenischen Bergen von Ku’damm und Schmeling-Halle zu unterscheiden. Der junge Aufbauspieler gewöhnte sich sogar an die für ihn völlig fremde europäische Spielweise von Luka Pavicevic – und führte Alba Berlin 2008 zum vorerst letzten Meistertitel. Heute kehrt er mit den Baskets Oldenburg nach Berlin (18 Uhr, Arena am Ostbahnhof). Alba wird es schwer haben, Bobby Brown zu stoppen – zumal DaShaun Wood und Kyle Weaver wegen einer Viruserkrankung erst seit Samstag wieder trainieren, spielen aber werden sie. „Das wollen sie sich nicht entgehen lassen“, sagt Teammanager Mithat Demirel.

2007 hatten die Berliner Brown eigentlich als Lehrling verpflichtet, doch als Goran Jeretin vor Saisonstart das Kreuzband riss, war der Neuprofi plötzlich Kopf der Mannschaft. Zunächst schwankten die Leistungen, ehe er innerhalb kürzester Zeit zu einem dominierenden Bundesligaspieler wurde. Unvergessen ist seine Leistung beim legendären Uleb-Cup-Spiel gegen Bosna Sarajewo, als er Alba mit purer Willenskraft und unglaublichen Treffern im Spiel hielt. 44 Zähler, 31 davon in den fünf Verlängerungen, steuerte Brown zum 141:127-Sieg bei, kein anderer Alba-Spieler hat je so viele Punkte in einer Partie erzielt. Nach der Saison redete Pavicevic auf seinen Spielmacher ein, der Serbe wollte Brown unbedingt halten. „Ich kann mich an das Gespräch erinnern, als wäre es gestern“, sagt Brown, „aber die NBA war mein ultimativer Traum.“ Die Sacramento Kings boten ihm einen Zweijahresvertrag an, da konnte Alba nicht mithalten. Auch wenn Brown dem Trainer immer noch dankbar ist: „Luka Pavicevic hat einen Riesenanteil an meiner Karriere, das habe ich auch in der NBA allen erzählt.“

In den USA begriff Brown, dass man auch noch hart arbeiten muss, wenn man sich seinen größten Traum schon erfüllt hat. „Ich habe lernen müssen, dass nicht alles in der NBA zuckersüß ist“, sagt Brown. Trotz anfänglich guter Leistungen schickten ihn die Kings nach der Hälfte der Saison zu den Minnesota Timberwolves, die ihn in der Sommerpause wiederum an New Orleans abgaben. Bevor sein Vertrag auslief, verbrachte er noch ein paar Monate bei den Los Angeles Clippers. Obwohl er sich bei keinem der vier Klubs durchsetzen konnte, schwärmt Brown von der NBA. „Ich habe mit den besten Spielern der Welt gespielt“, sagt der heute 27-Jährige, „ich habe mich basketballerisch weiterentwickelt und bin auch als Mensch erwachsen geworden.“

Es folgte eine Saison, die er in Polen bei Prokom Gdynia und in Griechenland bei Aris Saloniki spielte. „Beide Stationen waren hart. Ich habe mich teilweise schlecht gefühlt und einige Entscheidungen bereut.“ In Polen habe der Trainer nicht so sehr auf ihn gebaut, bei Aris gab es Probleme mit den Gehaltszahlungen. In Oldenburg geht es Brown nun viel besser, mit im Schnitt 21,3 Punkten ist er im Moment sogar Topscorer der Liga. „Ich fühle mich jetzt wohl als Spielmacher“, sagt er, „ich lese die gegnerische Verteidigung viel besser und bin geduldiger mit meinen Würfen.“ Einen Einjahresvertrag hat er unterschrieben, danach will er am liebsten zurück in die USA: „Die NBA ist immer noch mein Ziel, keine Frage.“

Zunächst aber will er heute Alba besiegen. Er hat aus der Ferne verfolgt, wie sich sein alter Verein entwickelt hat, lange war die Alba-Homepage sogar die Startseite seines Computers. Und eine besonders lieb gewonnene Erinnerung hat er auch aus Berlin mitgenommen: „Ich weiß noch genau, wie die Fans nach dem Finalsieg in Bonn vor dem Bus gesungen haben.“

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