Sport : Der Lehrling muss ran

Der FC Bayern vertraut früher als geplant auf Angreifer Nils Petersen

Carsten Eberts[München]
Foto: dapd
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Der Kader des FC Bayern könnte zu den besten gehören, die der Klub jemals hatte, da sind sich viele Analysten einig. Die Abwehr steht seit dem Zukauf von Nationalkeeper Manuel Neuer und Jerome Boateng höchst solide, nie tummelten sich im Mittelfeld mehr unberechenbare Kräfte, im Angriff ist der Klub mit dem zuletzt bärenstarken Schützenkönig Mario Gomez optimal besetzt. Tatsächlich? Hinter Gomez wird es nämlich dünn: Miroslav Klose ist verkauft, Ivica Olic fällt langfristig aus – und meldet sich dann auch Gomez verletzt ab, wie am vergangenen Spieltag auf Schalke, ist da nur noch Nils Petersen. Und der war bis vor kurzem, nun ja, Zweitliga-Stürmer.

Auch wenn die Bayern mit imposanter Bilanz die Liga dominieren: Das Vertrauen in Petersen ist zumindest ausbaufähig. Die einen sagen, die aktuelle Situation sei optimal für ihn: Weil sich Petersen durch Gomez‘ Rekonvaleszenz nun beweisen muss und mit jedem Treffer, wie zum Führungstreffer beim 2:0 auf Schalke, ein wenig von seiner Unsicherheit ablegt. Die anderen sagen jedoch, dass er noch länger braucht, um sich an die neuen Anforderungen zu gewöhnen und kein vollwertiger Ersatz für Gomez ist. „Er arbeitet jeden Tag hart, um sich an das neue Niveau anzupassen“, sagt Trainer Jupp Heynckes. „Er ist sicher ein großes Talent“, glaubt auch Franz Beckenbauer, „aber Talent reicht beim FC Bayern nie.“

Es ist tatsächlich eine neue Welt, in der der 22-jährige Petersen gelandet ist. Fast unbemerkt legte der junge Mann aus Wernigerode im Sommer den größten Sprung seiner Karriere hin: Von Energie Cottbus, wo er in 56 Spielen 35 Tore erzielte, wechselte er direkt zum FC Bayern. Dort wollte er eigentlich lernen und sich von Nationalstürmer Gomez vor allem dessen Stellungsspiel abgucken. Und unter Trainer Heynckes, der ja selbst Stürmer war, langsam zur echten Alternative heranreifen. „Ich freue mich über jede Minute, die mir der Trainer gibt“, erklärte Petersen demütig, „ich weiß, dass ich nicht ständig 90 Minuten spielen werde.“"

Diese Lehrzeit ging jedoch früh zu Ende. Schon in der Champions League beim FC Villarreal (2:0) musste Petersen zur Halbzeit ran – und vergab Chancen, die locker für drei Spiele gereicht hätten. In der Bundesliga lief es zuletzt besser: Beim 7:0 gegen Freiburg erzielte er den finalen siebten Treffer. Auch gegen Schalke lieferte Petersen eine starke Partie, beim 1:0 lief er auf Schalke-Keeper Ralf Fährmann auf, tunnelte diesen glücklich, sein Schuss landete am Hinterteil von Per Kluge, von wo der Ball dann doch ins Netz sprang. „Ich habe versucht, meinen Job zu meistern“, erklärte Petersen lapidar, „wenn Mario ausfällt, ist es meine Aufgabe, ihn bestmöglich zu ersetzen.“

Für die Bayern bringen diese Geschehnisse trotzdem wertvolle Erkenntnisse. Die erste: Es läuft einfach, wozu auch Petersen beiträgt, der von Spiel zu Spiel selbstbewusster auftritt. Die zweite: Trainer Heynckes sehnt dennoch die Gesundung seines Stammpersonals herbei. „Wenn Robben, Gomez und Olic wieder dabei sind, habe ich noch viel mehr Qualität im Aufgebot“, gab Heynckes unumwunden zu. Zumindest am kommenden Samstag gegen Bayer Leverkusen wird er noch mit Petersen planen: Für das Topspiel ist die Rückkehr von Mario Gomez keinesfalls gesichert.

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