Sport : Der Leichtathlet kämpft nun vor Gericht gegen Suspendierung

Olympiasieger Dieter Baumann will weiter mit allen Mitteln um sein Recht kämpfen und setzt jetzt seine Hoffnungen auf das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt / Main. "Ich kämpfe mit meiner ganzen Kraft und vollem Einsatz, um den Nachweis zu bringen, dass ich ein sauberer Athlet bin", erklärte der unter Dopingverdacht stehende Langstreckenläufer bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz in Stuttgart. "Ich habe nie an Rücktritt gedacht, und ich werde es auch unter keinen Umständen tun."

Vor dem Oberlandesgericht Frankfurt wird am 18. Mai der Antrag auf einstweilige Verfügung verhandelt. Diesen Termin bestätigte OLG-Pressesprecher Wolfgang Peter. Baumann hofft, dass seine Suspendierung aufgehoben wird und er am 27. Mai bei den deutschen 10 000-m-Meisterschaften in Troisdorf starten kann.

Im Detail listete Baumann am Montag auf, welche Schritte er bisher unternommen hat, um seine Unschuld sowie die seiner Frau und Trainerin Isabelle zu bekräftigen. Einen Täter, der seine Zahnpasta mit Nandrolon versucht haben soll, hat er bislang jedoch ebenso wenig präsentieren können wie die ermittelnde Tübinger Staatsanwaltschaft. Um seine Glaubwürdigkeit zu unterstreichen, präsentierte der Tübinger vor den Medienvertretern Professor Udo Undeutsch vom Psychologischen Institut der Universität Köln, der Isabelle und Dieter Baumann mit dem Polygraphen ("Lügendetektor") untersucht hat. Neue Erkenntnisse hatte der Wissenschaftler jedoch nicht zu vermelden. Er bestätigte die bereits bekannten Ergebnisse, wonach "eindeutig zu erkennen ist, dass die verdachtsbezogenen Fragen wahrheitsgemäß verneint worden sind". Die Fragen hatten sich darauf bezogen, ob Baumann bewusst ein verbotenes Mittel eingenommen hat. Offen ist jedoch, ob und inwieweit dieses Gutachten vor dem OLG überhaupt eine Rolle spielt. In Zivilverfahren, zum Beispiel bei familienrechtlichen Auseinandersetzungen, hat der Lügendetektor als Beweismittel schon eine Rolle gespielt. Im Fall Baumann, so OLG-Sprecher Frank, "kann ich den Kollegen nicht vorgreifen, wie sie das beurteilen".

Die Eilbedürftigkeit des von Baumanns Anwalt Michael Lehner eingebrachten Antrags ist für Baumann unbestritten. Baumann will nicht nur in Troisdorf laufen, um sich über 10 000 m für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, sondern auch, "um Rennpraxis für die 5000 zu erhalten". Selbst wenn Baumann später vor dem DLV-Rechtsausschuss einer zweijährigen Sperre entgeht, wird sich der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) wohl des Falles annehmen. Nach einem Beschluss vom Februar kann das Council positiv getestete Athleten von Wettkämpfen ausschließen, wenn deren nationaler Verband die Suspendierung aufhebt.

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