Sport : Der letzte Fußball-Prolet

Friedhard Teuffel

Rudi Assauer hört bei Schalke auf, und das ist ein bisschen so, als würde Loriot keine Witze mehr machen. Mit Assauer geht der letzte Prolet der Fußball-Bundesliga.

In den Achtzigern und Neunzigern hatte er mit seinem Auftreten noch Sehnsüchte unter den Fußballfans geweckt, die nach dem Unbehauenen, nach dem Macker, der den eigenen Verein stark macht und vielleicht irgendwann einmal die Bayern zu Fall bringt mit einem einzigen, stechenden Blick. Assauer war auch auf dem besten Weg dahin, er kaufte teure Spieler, ohne mit der Wimper zu zucken, und ließ eine neue Arena bauen, mit einer Selbstverständlichkeit, als habe er sich gerade eine neue Garage aufstellen lassen. Er schien kurz vor dem Ziel zu sein. Nebenher pflegte er seine Wahrnehmung als Macho mit kernigen Sprüchen und vielen, vielen Zigarren.

Doch diese Sehnsucht der Fans nach einem Typen wie ihm ist immer geringer geworden und die nach Events und vielleicht auch nach Spießigkeit immer größer. Anfangs hat Rudi Assauer da noch mitgemacht. Er stieg auf Skier und lief mit beim Biathlon durch die Arena Auf Schalke. Doch nachdem ihm andere wichtige Leute im Verein einen Teil seiner Macht genommen hatten, wirkte Assauer nur noch wie ein alternder Cowboy, der langsam in den Sonnenuntergang reitet. Assauer schien längst überfordert im Umgang mit 120 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Er passte nicht mehr in eine Zeit, die vor allem das wirtschaftliche Prinzip der Nachhaltigkeit forderte und nicht mehr die Einstellung, koste es, was es wolle.

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