Sport : Der letzte Gruß aus Magdeburg

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Frank Bachner empfiehlt Sven Ottke dringend, seine Karriere zu beenden

Der Magdeburger als solcher, jedenfalls soweit er sich mit Sport beschäftigt, hat einen sehr ausgewählten Geschmack, das beweist er immer wieder. Der Handballer Stefan Kretzschmar vom SC Magdeburg zaubert als weltbester Linksaußen, wirft sensationelle Tore, aber er hat ja auch diese Ohrringe und wilden Tattoos – also, raus mit ihm aus der Stadt. 50 Prozent der Magdeburger Sportfans wünschen ihn zum Teufel, oder jedenfalls weit weg. Eine Zeitungsumfrage hat da klare Prioritäten ergeben. Ach, wie angenehm anders ist da Sven Ottke, der Berufsboxer. Keine große Klappe, keine Tattoos, höchstens ein Ehering, willkommen zu Hause, Svenni, willkommen in Magdeburg, Bördelandhalle.

Sven Ottke boxte, und diesmal ganz anders als sonst.. Sven Ottke, der seine Gegner üblicherweise im Ring meist durch seine Doppeldeckung so sieht, als würde er durch eine Schießscharte starren, schlug mal öfter zu als sein Gegner. Lässt sich mehr sagen über die Bedeutung dieses Kampfs gegen David Starie? Wenn der Engländer in seinem Hauptjob als Feuerwehrmann einen ähnlichen Überblick hätte wie am Samstag im Ring, dann könnte er nicht mal die Kerzen einer Geburtstagstorte löschen.

Und wenn die Zuschauer trotzdem jubeln, dann müssen es halt andere sagen. Mama Ottke zum Beispiel. Oder Ehefrau Gabi: Sven Ottke, es reicht. Aufhören, bitte. Es war eine schöne Zeit, xmal den WM-Titel verteidigt, Kompliment, aber, sorry, wir werden halt alle älter. Und man merkt es. Was soll noch kommen? Der offizielle WM-Herausforderer Echols traut sich nicht, gegen Ottke zu boxen, Europameister Häußler darf nicht, weil er im gleichen Boxstall ist wie Ottke. Bleiben Leute wie Starie, der Feuerwehrmann, Leute, die schlicht zu schwach sind für einen Weltmeisterschaftskampf.

„Wir boxen alle zu lange“, hat der frühere Schwergewichts-Weltmeister George Foreman einmal verkündet. Er trat mit 48 Jahren ab. Sven Ottke ist ist vor zwei Wochen 36 geworden. Ein Alter, um in Würde abzutreten.

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