Sport : Der letzte Held

Ingo Schmidt-Tychsen

Der deutsche Basketball-Fan gilt als belastbar. Jahrelange Übung im Erlernen von neuen Spieler- und Vereinsnamen haben ihn hart und tapfer werden lassen. Schon seit Jahren muss er sich auf ein paar wenige Identifikationsfiguren beschränken, weil große Teile des Kaders saisonweise ausgetauscht werden. Selbst die große Alba-Familie, als die sich der Berliner Basketball-Klub gern bezeichnet, folgte diesen Mechanismen des Marktes in den letzten Jahren. Große Helden hat der Verein ziehen lassen, Mithat Demirel oder Stefano Garris zum Beispiel. Nun ist auch der letzte Held gegangen: Jovo Stanojevic hat sich verabschiedet, weil er sich nicht angemessen gewürdigt fühlte. Er war der einzige Deutsche Meister in der aktuellen Mannschaft. Trainer Henrik Rödl hatte ihn zuletzt auf der Bank sitzen lassen. Alba braucht jetzt neue Helden – und zwar schnell. Die Fans sind enttäuscht über den Abgang ihres Lieblings, nur ein großer Erfolg wird sie aufmuntern können. Aus dem Basketball-Pokal und dem Uleb-Cup sind die Berliner ausgeschieden. Sie müssen Deutscher Meister werden.

Neben Teammanager Henning Harnisch ist Henrik Rödl die einzig verbliebene Identifikationsfigur, die letzte Konstante. Er ist für den Abgang von Stanojevic verantwortlich. Rödl, der als Spieler mit Alba mehrmals Deutscher Meister wurde, hat sich selbst enorm unter Druck gesetzt. Die Spieler werden davon allerdings nicht viel wissen: Keiner von ihnen kennt die Tradition des Vereins wirklich. Doch auf sie kommt es jetzt an.

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