Sport : Der letzte Mann

Denis Lapaczinski sucht bei Hertha immer noch Anschluss

Stefan Hermanns

Berlin. Das Glück eines Fußballers geht meist auf Kosten eines anderen. Denis Lapaczinski weiß das, wenn er über seine Aussichten bei Hertha BSC sagt: „Mit Glück rutsch’ ich vielleicht irgendwann mal in die Mannschaft.“ Er könnte auch sagen: Wenn sich mal zwei Abwehrspieler verletzen, bekomme ich vielleicht eine Chance. Aber so etwas sagt kein Fußballer. Es sei denn, er will sich bei seinem Trainer und bei seinen Kollegen ziemlich unbeliebt machen.

Es ist schließlich kein angenehmes Gefühl, auf die Verletzung eines Mitspielers warten oder hoffen zu müssen. Aber Lapaczinski ahnt im Moment, dass er keine andere Chance hat. „Ich bin ein bisschen außen vor“, sagt er. „Ich seh’ das ganz nüchtern.“ Lapaczinski ist zwar U21-Nationalspieler, aber für seine Position in der Viererkette hat Herthas Trainer Huub Stevens zwei aktuelle A-Nationalspieler zur Verfügung: Arne Friedrich und Marko Rehmer.

Am Mittwoch, beim 4:0 im Testspiel gegen den Belgischen Meister FC Brügge, fehlten sowohl Rehmer als auch Friedrich wegen Verletzungen. Auf der rechten Position in der Viererkette spielte – Andreas Schmidt. Lapaczinski wurde acht Minuten vor Schluss eingewechselt. Er fiel nicht weiter auf. Arne Friedrich soll am Wochenende wieder mit dem Mannschaftstraining beginnen, Marko Rehmers Nasenbeinbruch hat sich als nicht besonders kompliziert herausgestellt. Schon am Sonntag, im Test gegen Galatasaray Istanbul (16.10 Uhr im Olympiastadion), könnte er wieder mitspielen.

Bei Lapaczinski haben sich die Folgen einer Verletzung als langwieriger erwiesen. Immer noch leidet er unter den Auswirkungen seines Knöchelbruchs, den er sich im Frühjahr 2002 zugezogen hat. „Ich merke, dass ich richtig fit werde“, sagt Lapaczinski. Allerdings hat er beim Antritt noch Schwierigkeiten mit dem operierten Fuß.

Als er sich im April vorigen Jahres beim Training verletzte, hatte Lapaczinski unter dem Interimstrainer Falko Götz gerade den Sprung in die Profi-Mannschaft geschafft. Bei seinem Wechsel nach Berlin im Sommer 2001 galt der Verteidiger als große Nachwuchshoffnung. Weil er beim Zweitligisten SSV Reutlingen schon als 19-Jähriger die Viererkette organisiert hatte, musste Hertha rund zwei Millionen Euro für Lapaczinski bezahlen. Eine Menge Geld, das die Verantwortlichen des Berliner Bundesligisten noch nicht als Verlust abschreiben wollen.

Herthas Ligakonkurrent Hansa Rostock hätte den Verteidiger in diesem Sommer gern verpflichtet, und auch Lapaczinski war einem Wechsel nicht abgeneigt. In Rostock arbeitet Armin Veh als Trainer, Lapaczinskis Förderer aus Reutlinger Tagen. Hertha aber wollte den Verteidiger nicht gehen lassen. Lapaczinski deutet das so, dass Trainer Stevens und Manager Dieter Hoeneß ihn noch nicht abgeschrieben haben. Angesichts der guten Besetzung im Kader der Berliner sagt er allerdings auch: „Wenn Hertha mich abgegeben hätte, hätte das der Mannschaft ja auch nicht geschadet.“

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