Sport : Der letzte Versuch

Von Herthas Manager Michael Preetz wird bei der Trainersuche nun eine mutige Entscheidung erwartet.

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Applaus vom Boss. Michael Preetz (links) kann sich noch immer der Unterstützung seines Präsidenten Werner Gegenbauer sicher sein.
Applaus vom Boss. Michael Preetz (links) kann sich noch immer der Unterstützung seines Präsidenten Werner Gegenbauer sicher sein.Foto: dpa

Berlin - Am Tag danach traf Hertha BSC auch noch das Verdikt des Kaisers. Franz Beckenbauer hatte aus der Ferne genau beobachtet, dass sich die Spieler des Berliner Fußball-Bundesligisten bei der 0:5- Niederlage in Stuttgart des Trainermobbings schuldig gemacht hatten. „Die Mannschaft hat gegen Skibbe gespielt“, behauptete Beckenbauer im Fernsehsender Sky. Wenn dem so wäre, erschiene natürlich auch die Attacke von Andreas Ottl in die Beine von Tamas Hajnal in ganz anderem Licht. Am Ende ist er dem Stuttgarter noch mit Absicht in die Beine gerauscht, um einen Platzverweis zu provozieren und das eigene Team zu schwächen …

Solche Urteile sind immer mit Vorsicht zu genießen, zumal Ottl einen hohen Preis zahlen muss. Herthas Mittelfeldspieler wurde für drei Spiele gesperrt. Das passt in die Gemengelage bei Berlins größtem Fußballklub, bei dem derzeit einiges schief läuft. Das Präsidium kam gestern sogar zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, in der Manager Michael Preetz noch einmal die Entlassung von Trainer Michael Skibbe begründete. Dass Preetz’ Position nicht auf der Tagesordnung stehen würde, konnte man schon am Morgen bei der Lektüre diverser Interviews erahnen, die Werner Gegenbauer gegeben hatte. Der Manager „steht nicht zur Debatte“, sagte Herthas Präsident dem „Berliner Kurier“. „Er ist mein Mann.“

Preetz wiederum hat einen Rücktritt bereits ausgeschlossen. Doch der 44-Jährige ist lange genug im Fußball tätig, um zu wissen, dass es auch Situationen gibt, in denen die Entscheidungshoheit nicht mehr bei ihm liegt. Ob Preetz bei Hertha eine Zukunft über die laufende Saison hinaus besitzt, hängt vor allem davon ab, wen er als nächsten Trainer präsentieren wird.

Seitdem er im Sommer 2009 Nachfolger von Dieter Hoeneß als Geschäftsführer Sport geworden ist, hat Preetz drei Trainer entlassen: Lucien Favre, Markus Babbel und Michael Skibbe. Der Vertrag mit Friedhelm Funkel lief im Sommer 2010 aus, nur beim Klassenerhalt hätte er sich um ein Jahr verlängert. Angesichts der Vorgeschichte will Preetz nun „mit der gebotenen Sorgfalt den neuen Trainer suchen“. René Tretschok (siehe Text unten) wird wohl mindestens am Samstag, im Heimspiel gegen Borussia Dortmund, auf der Bank sitzen.

Von den derzeit durch die Öffentlichkeit schwirrenden Namen – Falko Götz, Ralf Rangnick, Thomas Doll, Michael Oenning, Holger Stanislawski – steht dem Vernehmen nach bei Hertha keiner ganz oben auf der Liste möglicher Kandidaten. Nachdem Preetz bei Funkel und Skibbe eher die Sicherheitsvariante gewählt hatte, scheint er diesmal, trotz der kritischen Situation, etwas mehr Mut zeigen und sich für einen Trainer entscheiden zu wollen, der in der zweiten Reihe durch erfolgreiche konzeptionelle Arbeit aufgefallen ist. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass es sich um einen Coach handelt, der derzeit noch unter Vertrag steht, aber eine Ausstiegsklausel für einen Wechsel zu einem Erstligisten besitzt.

„Wir brauchen jetzt einen General“, verlautete aus Herthas Mannschaft. Dass es mit deren Verhältnis zu Michael Skibbe nicht mehr zum Besten stand, wird immer offensichtlicher und wurde auch von Preetz bei der Präsidiumssitzung bestätigt. Das Team sei überhaupt nicht mehr mit dem Trainer klargekommen. Dabei hatten sich die Spieler zunächst auffallend positiv über Skibbe und seine Arbeit geäußert. Doch vom anfänglichen Zauber scheint wenig geblieben zu sein. Preetz sagte am Sonntag, dass er „nicht alles ausbreiten“ könne, was seine Entscheidung gegen Skibbe beeinflusst habe. Mit dieser Aussage ließ er – vermutlich bewusst – Raum für Spekulationen.

Bekannt ist, dass es am Tag nach der Niederlage gegen den Hamburger SV (1:2) Ende Januar in der Kabine zu einem Wortgefecht zwischen Skibbe und Vizekapitän Christian Lell gekommen war. Er solle froh sein, dass er wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt sei, am nächsten Wochenende hätte er sowieso nicht gespielt, soll der Trainer Lell angeraunzt haben. Dass ein Spieler vor der versammelten Mannschaft kritisiert wird, war für die Spieler neu. Auch unter Skibbes Vorgänger Markus Babbel wurde das Team nicht ausschließlich gestreichelt; aber Kritik äußerte der Trainer ausschließlich unter vier oder sechs Augen. Dass Skibbe ausgerechnet den einflussreichen Führungsspieler Lell attackierte, war wohl nicht die allerklügste Entscheidung.

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