Sport : Der letzte Wildmoser

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Benedikt Voigt erklärt, warum die BundesligaPatriarchen aussterben

Karl-Heinz Wildmoser senior hat viel Blödsinn geredet in den letzten Tagen. Das mag damit zusammenhängen, dass er seit seiner Haftentlassung unaufhörlich in die Mikrofone dieser Republik spricht. Zum Beispiel sagte er der „Bild am Sonntag“ zu der Inhaftierung seines Sohnes, der als Haupttäter im Schmiergeldskandal um die Allianz-Arena gilt: „Es schadet ihm ja nichts, wenn er noch ein paar Tage drin bleibt.“ Jene Äußerung im DSF war auch nicht schlecht: „Ohne meine Leistung würde es keine Fußball-WM 2006 in München geben.“ Am schönsten aber war der Satz, den die Deutsche Presse-Agentur verbreitete: „In so einem Amt bist du letztendlich nur eine Marionette.“

Wie bitte? Der schwergewichtige, alleinherrschende, großspurige Wildmoser – nur eine Marionette?

Offensichtlich hat Karl-Heinz Wildmoser die letzte Stufe des Patriarchentums erreicht. Jene nämlich, die mit einem Realitätsverlust einhergeht. Die Tragweite des Finanzskandals scheint ihm nicht bewusst zu sein. Zum Rücktritt von seinem Posten als Präsident beim TSV 1860 München hat man ihn gestern dem Vernehmen nach mehr überreden müssen, als dass er aus eigener Einsicht gehandelt hätte.

Wildmoser ist fort. Nun besitzt die (Zweite) Bundesliga nur noch den Nürnberger Michael A. Roth als letzten Patriarchen. Vorbei die Ära der Eichbergs, Lörings und Mayer-Vorfelders. In Zeiten, in denen Bundesligavereine zu Aktiengesellschaften werden, wird die Liga demokratischer und transparenter. Aufsichtsräte und Beteiligungsausschüsse überwachen die Vereinsvorstände. Eine gute Entwicklung.

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