Sport : Der Lieblings-Cottbuser

Der Brasilianer Franklin Bittencourt bleibt auch nach seiner Fußballkarriere Lausitzer und arbeitet jetzt beim FC Energie als Kotrainer

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Im „Da Nando“ ist an diesem Montagabend die halbe Welt versammelt. An den Tischen sitzen Ungarn, Kroaten und Spanier. Zwei Japaner bitten einen ehemaligen brasilianischen Fußballstar um ein Autogramm, und Nando, der Wirt aus Salerno, ruft immer wieder: „Wir schaffen es noch, Leute. Mein Herz sagt es mir.“

„Da Nando“ ist eine Pizzeria in Cottbus, und der Brasilianer ist außerhalb der Lausitz kaum bekannt. Aber hier am Rande des Spreewalds kennen ihn alle. Auch Lutz Wegener, der Leiter des Cottbuser LudwigLeichhardt-Gymnasiums, das seit Jahren eine Partnerschaft mit der Omiya High School in der Nähe von Tokio pflegt. Schüler und Lehrer sind gerade zum Austausch hier. Schulleiter Wegener hat sie ins „Da Nando“ eingeladen, wo an diesem Abend Vereinsmitglieder und Fans von Energie das Auswärtsspiel ihres Vereins in der Zweiten Liga gegen Bochum auf den vier Fernsehbildschirmen verfolgen. Als er Franklin entdeckt, sagt Wegener den Japanern: „Das ist unser großer Fußballer.“

Dabei spielt Franklin Bittencourt gar nicht mehr für Energie Cottbus. Es ist drei Jahre her, dass er im Stadion der Freundschaft nach jedem seiner 58 Tore ein Tänzchen aufführte und mit seinen dramatisch inszenierten Hinfallern so manchen Freistoß oder gar Elfmeter herausschindete – sehr zum Ärger seiner Gegner.

Dass der 36-Jährige auch nach seiner Karriere in der Lausitz blieb, ist schon ein wenig erstaunlich. Cottbus genießt schließlich nicht den besten Ruf, und es gibt einige traurige Geschichten. Franklins ehemaliger Mitspieler Moudachirou Amadou beklagte 1999 bei seinem Wechsel nach Karlsruhe die Ausländerfeindlichkeit in Cottbus. Auch Amadous Freundin sei angepöbelt worden. Franklin hat dagegen bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht. Als Tausende Einwohner gegen Rassismus in ihrer Stadt demonstrierten, stand Franklin neben dem damaligen Oberbürgermeister Kleinschmidt auf einer Tribüne: „Ich wollte mich solidarisieren, auch wenn weder mir noch meiner Familie so etwas widerfahren ist. Dann hätte ich Cottbus verlassen.“

So aber ist Cottbus seine zweite Heimat geworden. Franklin wohnt mit seiner Familie seit 1998 im Cottbuser Stadtteil Sielow. Sein elf Jahre alter Sohn Leonardo hat dort schon in der Kita Sorbisch gelernt, die Sprache der in der Lausitz lebenden Minderheit. „Ich habe mich immer angenommen gefühlt“, sagt Franklin. Der Brasilianer staunt, dass er nach dem Ende seiner Karriere sogar noch populärer geworden ist: „Ich dachte, wenn ich nicht mehr spiele, vergessen mich die Menschen schnell, aber es war nicht so.“

Wohl auch deshalb fühlt er sich als Cottbuser, obwohl er in seinem Verein schon Enttäuschungen erlebt hat. Etwa, als ihm Energie in der Winterpause 2002 nahe- legte, seine Karriere zu beenden. Der damalige Geschäftsführer Klaus Stabach stellte ihm einen Posten im Verein in Aussicht. Sein Versprechen hielt er nicht. Franklin erzählt das ohne Bitterkeit, obwohl er Stabach vertraut hatte, sich nicht bei einem anderen Klub bewarb und plötzlich arbeitslos war. Seine Frau Adriana aber hat es anders in Erinnerung. Er sei maßlos enttäuscht gewesen.

Die beiden haben sich in ihrer Heimatstadt Rio de Janeiro kennen gelernt, sie besuchten denselben Sportverein. Adriana war zwölf und eine gute Schwimmerin, Franklin dreizehn und schon ein flinker Fußballer. Die Jugendliebe hielt auch, als die beiden ihr Studium als Sportlehrer begannen. Franklin wollte immer in Europa spielen, und als er 1992 ein Angebot aus Leipzig erhielt, zögerte er nicht. 1998 wechselte er nach Cottbus und stieg im Jahr 2000 mit dem FC Energie in die Bundesliga auf.

Im Gegensatz zur Vereinsführung ließen ihn die Cottbuser nicht im Stich. Ein Gastwirt bot ihm an, sich als Partner an einem Café zu beteiligen. Franklin, der immer davon geträumt hatte, ein Restaurant zu eröffnen, stürzte sich ins gastronomische Geschäft. Anfangs kamen die Cottbuser, um ihm auf die Schulter zu klopfen, später, weil sie sich wohl einfach gerne mit ihm unterhalten.

Die neue Führung von Energie hat das Versprechen des kürzlich ausgeschiedenen Managers eingelöst: Seit dieser Saison ist Franklin Kotrainer der Amateure und Scout für die Profis. „Unsere jungen Spieler profitieren von seinem Optimismus“, sagt Ulrich Lepsch, der Verwaltungsratschef. Und Franklin wird sich noch mehr als Cottbuser fühlen.

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