Sport : Der Lifestyle-Segler

Der Franzose Bruno Troublé begleitet den America’s Cup seit vier Jahrzehnten

Ingo Petz[Valencia]

Es gibt nur wenige Männer, die rosarote Hemden tragen, auf Socken vor der versammelten Weltpresse flanieren dürfen und dafür auch noch geliebt werden. Bruno Troublé tut all das und noch viel mehr. Manchmal liegt er rücklings auf dem Boden des Medienzentrums von Valencia, wo gerade der 32. America’s Cup stattfindet, und telefoniert. Oder als die Schweizer von Alinghi 2003 in Neuseeland den Louis Vuitton Cup gewonnen hatten, war es der Franzose, der als Erster auf einem Boot in Richtung Schweizer Yacht unterwegs war. Im Gepäck: eine riesige Flasche Champagner. Er sprang auf das Boot, strahlte, jubelte und gratulierte dem späteren America’s-Cup-Sieger überschwänglich.

Der heute 62-Jährige ist eine der schillerndsten und charismatischsten Figuren der Szene. Einer seiner Lieblingssätze ist: „Wenn du den America’s Cup gewinnen willst, musst du zuerst den Louis Vuitton Cup gewinnen.“ Denn der studierte Anwalt und Steuermann von drei französischen Cup-Teams hatte 1983 die Idee, das Pariser Luxushaus Louis Vuitton als Sponsor in die Regatta zu holen. „1982 trafen wir uns mit den anderen Skippern“, erzählt Troublé. „Schließlich mussten wir klären, wer das alles bezahlen sollte.“ Er habe dann die Idee gehabt, bei Louis Vuitton anzurufen, um das Pariser Haus als Sponsor zu gewinnen. „Ich habe nachmittags dort angerufen und bekam zwei Stunden später das Okay“, erzählt der Franzose. „Das war ein historischer Schritt. Erstmals im Cup stieg ein Sponsor ein.“ Zwar hatten Privatfinanziers wie Sir Thomas Lipton schon vorher ihre Mannschaften indirekt als Werbezweck für ihre Unternehmen und Produkte genutzt, aber eigentlich war der America’s Cup vor allem ein abgeschottetes Nischen-Ereignis und elitäres Spiel für reiche Männer.

Troublés Idee war die Geburtsstunde des Louis Vuitton Cup, der in seiner siebten Auflage zurzeit in Valencia stattfindet. Und es war der Beginn einer neuen Ära. Denn mit dem neuen Sponsor wuchs auch das Interesse, der alten, behäbigen Diva des Segelns auf die Marketing-Sprünge zu helfen. Der America’s Cup sollte zu einem Sport-Ereignis von Weltrang werden.

Troublé und seine Werbefirma waren mit der Organisation der Herausforderer-Serie betraut. Über 25 Jahre lang. Beim diesjährigen Cup wird der Louis Vuitton Cup erstmals vom America’s-Cup-Management organisiert. Somit ist Troublé nun allein noch Sprecher des Pariser Lifestyle-Hauses, das sich sein Sponsorentum geschätzte 40 Millionen Euro pro Kampagne kosten lässt.

„Ja, die Herausforderer haben nun fast nichts mehr zu sagen“, urteilt Troublé. „Aber so ist das Gesetz im Cup. Der Sieger bestimmt die Spielregeln.“ Wegen der acht Ausfalltage, die die Regatta bei dieser Auflage gesehen hat, prognostiziert er: „Das war für das Fernsehen und Sponsoren ein herber Schlag. Es wird schwer, noch mal dieses hohe Marketing- und Sponsorenlevel zu erreichen.“ Er selbst wünscht sich, dass der America’s Cup nach Italien geht. „Die Italiener lieben den Cup. Das wäre großartig. Aber ich glaube, daraus wird nichts. Es ist wohl keine große Frage, dass Alinghi wieder gewinnt. Die sind so unglaublich stark.“

Es ist vor allem die Leidenschaft, die einen Bruno Troublé antreibt. Der Franzose sagt: „Ich liebe den Cup seit 1964. Ich war damals als 18-Jähriger bei einer Regatta in Newport und wurde als Zuschauer zum Cup eingeladen. Dabei war ich auch im New York Yacht Club, der die Trophäe 132 Jahre lang nicht verlor. Der Club ist für Segler das, was für Katholiken der Vatikan ist. Ich war fasziniert und beschloss, Teil des Cups zu werden.“ Was ihn am Cup so fasziniert? „Die Regatta ist nicht nur irgendein Sport-Ereignis“, sagt Troublé. Der Cup ist viel mehr. Der America’s Cup ist eine moderne Saga. Es geht um Lifestyle, ums Segeln, um Technologie, um geopolitische Fragen. Außerdem gibt es wohl kein Sport-Ereignis, das so starke und große Persönlichkeiten anzieht. „Ich meine nicht nur reiche Männer, sondern starke Persönlichkeiten. Denken Sie nur an Ted Turner, den Medienmogul aus den USA, der in den Siebzigern dabei war.“ Oder an Bruno Troublé? „Nein“, wiegelt er ab, „nein, so groß bin ich noch nicht.“

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