Sport : Der logische Sieg

Der FC Bayern gewinnt völlig verdient den DFB-Pokal – und zum fünften Mal das Double

Michael Rosentritt

Berlin - Der Schweiß läuft an seinen Schläfen herab. Seine Brille sitzt schief, die Gläser sind verschmiert. Im Moment kriegt man von Felix Magath nur wenig zu sehen. Magath ist nicht gerade ein Riese und umringt von circa 35 Kameraleuten. Jeder will ein Bild haben vom Meistertrainer, wie er jetzt auch noch den Pokal in den Himmel reckt. Eigentlich sieht man nur den Pokal, die beiden Hände daran und die blanken Manschettenknöpfe. Der Rest von Magath ist zugestellt von drängelnden Leibern. Bald ist Mitternacht, und auf der blauen Laufbahn des Olympiastadions ist es dicht und eng und stickig. Magath kämpft. Dann erspäht er Roy Makaay, der mit einem Humpen Paulaner angeschlendert kommt. Die Gelegenheit, denkt sich Magath, durchbricht das Menschenknäuel und drückt seinem Stürmer den Pokal vor den Bauch. „Komm’, wir tauschen“, sagt Magath, halb stöhnend, halb befehlend. Jetzt hat Makaay die Meute am Hals und Magath seine Ruhe.

Felix Magath, der Pfefferminzteetrinker, wird in dieser Nacht nicht vom Glauben abfallen. Auf dem nächtlichen Bankett in der Hauptstadt-Zentrale des Hauptsponsors des neuen Pokalsiegers gönnt sich der 51-Jährige ein Gläschen hiervon und davon. „Der Pokalsieg ist für mich der beste, größte und schönste Moment“, sagt Magath. Vier Wochen nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft feiert der Trainer des FC Bayern in seinem ersten Jahr durch den 2:1 (1:1)-Sieg in einem emotionalen Finale über den FC Schalke 04 seinen zweiten Titel. Dieses Kunststück war nur Branko Zebec mit den Bayern vor 36 Jahren gelungen. Die Meisterschaft sei wichtig gewesen, sagt Magath, wegen der Anerkennung im Verein und im Umfeld, der Pokalsieg aber mache es ihm künftig leichter. „Als Trainer des FC Bayern muss man viele Titel sammeln, aber deshalb bin ich ja zum FC Bayern gegangen.“

Weit nach Mitternacht greift der Vorstandschef der Münchner, Karl-Heinz Rummenigge, zum Mikrofon und redet von einem „historischen Tag“ für den Verein. Das fünfte Double adele die Mannschaft und den Trainer. „Felix, ich bin stolz auf diese Leistung, vielen Dank. Ihr habt Fantastisches geleistet“, ruft Rummenigge in den rappelvollen Saal: „Und im nächsten Jahr greifen wir die Champions League voll an.“

Tatsächlich hat es Magath geschafft, die Spannung der Spieler noch Wochen nach der erreichten Meisterschaft hochzuhalten. Die Mannschaft um Kapitän Michael Ballack war dem Gegner aus Gelsenkirchen in allen Belangen überlegen. Von der ersten Minute an investierten die Bayern mehr, spielten sich gute Torchancen heraus und hätten zur Halbzeit 3:0 führen können, wenn nicht Schiedsrichter Florian Meyer mit zahlreichen Fehlentscheidungen die Schalker im Spiel gehalten hätte. Meyer verweigerte den Münchnern einen Elfmeter nach Handspiel von Sven Vermant im Strafraum (24.) und entschied fälschlicherweise auf Abseits beim Tor von Claudio Pizarro (38.). Nach der verdienten Führung durch Makaay (42.) pfiff der Schiedsrichter noch einen Elfmeter für Schalke nach einem zweifelhaften Foul an Ailton (45.). Lincoln verwandelte den Strafstoß zum 1:1.

Dass den Bayern durch ein klares Abseitstor von Hasan Salihamidzic doch noch der Sieg gelang, wird Uli Hoeneß später höheren Mächten zuschreiben. „Es wäre fatal, wenn wir nach der überragenden ersten Hälfte bestraft worden wären“, sagt der Manager, „aber das schöne ist, das der liebe Gott immer alles richtet“.

Das ist der Moment, in dem Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber freundlich nickt. Dessen Tischnachbar Franz Beckenbauer sagt: „Wir spielen seit zwei Monaten wie aus einem Guss. Wenn wir diese Leistungen auf die Allianz-Arena übertragen können, dann sind wir vollkommen.“

Felix Magath hört das und lächelt milde. Neben ihm sitzt seine Frau, auf dem Tisch vor ihm strahlen zwei Trophäen, die Meisterschale und der DFB-Pokal – für die Fotografen.

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