Sport : Der Luxus einer Randsportart

Felix Meininghaus

Die Sache klingt erst einmal ganz normal: Mittwochabend Champions League live im Fernsehen zur besten Sendezeit. Doch es geht um Volleyball. Das ist diese Sportart, die so viele Leute gerne spielen und auch sonst ganz toll finden, die aber so selten übertragen wird. Dabei sind attraktive Fernsehzeiten das entscheidende Argument bei der Suche nach Sponsoren.

Mit den Summen, die bei der Vermarktung erzielt werden, sind große Sprünge nicht möglich. Unter diesen Umständen klingt die Kunde durchaus erstaunlich, die jüngst aus Friedrichshafen zu vernehmen war: Alle sechs Spiele des Deutschen Meisters VfB werden im Deutschen Sportfernsehen (DSF) übertragen. Übertragungen in einem solchen Umfang kommen im Volleyball einer Sensation gleich. Im vergangenen Jahr wurde Werner von Moltke, Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV), bei den Programmgestaltern der dritten Programme vorstellig, um für die Klubs ein paar Minuten Sendezeit kurz vor Mitternacht bewilligt zu bekommen. Und bei den Übertragungen der diesjährigen Weltliga-Begegnungen der Nationalmannschaft war das Interesse so gering, dass sich teilweise nur 40 000 Zuschauer für das Treiben am Netz begeistern mochten. Nullquoten werden solch verheerende Ergebnisse im Branchenjargon genannt.

Warum sich das DSF dennoch entschloss, die Darbietungen des VfB Friedrichshafen im großen Stil anzubieten, ist ganz einfach: Der Münchner Sender spart Geld, weil die Produktionskosten von externen Geldgebern getragen werden. Mit "50 000 bis 60 000 Mark" beziffert DSF-Sendechef Hagen Offermann die Ausgaben pro Spiel.

Eingeleitet wurde der Deal von Roland Mader, dem Vorgänger von Moltkes als Chef des Volleyball-Verbandes, der heute eine Sportmarketing-Agentur leitet. "In der Otto-Fleck-Schneise werden jetzt bestimmt einige nervös", mutmaßt Mader. Dort, in Frankfurt, sitzt die Zentrale des DVV. Dessen Chef wirft Mader "große menschliche Schwächen" vor. "Es war meine Initiative, ihn als Präsidenten ins Spiel zu bringen", sagt Mader, als Dank halte von Moltke ihn außen vor. Dieser bezeichnet die Kritik als "absoluten Schwachsinn". Er habe Mader gleich nach der Vergabe der Frauen-WM im Jahr 2002 nach Deutschland um Mithilfe gebeten, doch der habe abgewinkt. Volleyball stünde nicht auf seiner Agenda. "Die Dinge liegen schriftlich vor", sagt von Moltke. Längst geht es nicht mehr allein um Vermarktung, sondern um persönliche Eitelkeiten. Ein ungewöhnlicher Luxus für eine Randsportart, wie sie Volleyball immer noch ist.

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