Sport : Der Manager des Mangels scheitert

Hansa Rostock entlässt Stefan Studer – auf den Nachfolger warten Probleme

Kerstin Hebeler[Rostock]

Nicht einmal ein Jahr nach seinem Amtsantritt wird Stefan Studer als Manager bei Bundesliga-Aufsteiger Hansa Rostock abgelöst. Wer Nachfolger des einstigen Hansa-Profis wird, der von 1995 bis 1998 für Rostock in der Bundesliga spielte, war am Montag noch nicht zu erfahren. Er soll jedoch bereits gefunden worden sein. „Wir haben uns auf einen Kandidaten geeinigt. Jetzt muss der Vorstandsvorsitzende noch mit allen Betroffenen sprechen, ob sie diese Entscheidung mittragen“, sagte Hansas Aufsichtsratschef Horst Klinkmann der Deutschen Presse-Agentur. Rostocks Klubsprecher Axel Schulz wollte entsprechende Meldungen über Studers bevorstehende Entlassung nicht kommentieren. Er verwies stattdessen auf eine Pressekonferenz am Dienstag, in der es um „Vorstandsangelegenheiten“ gehen werde. Auch der Vorstandsvorsitzende Dirk Grabow war zu einer Stellungnahme nicht bereit.

Das Aus für Studer hatte sich indes seit langem angedeutet. Es ist der Schlusspunkt eines Konfliktes, der seit Monaten zwischen Studer und Trainer Frank Pagelsdorf schwelte und auch mit dem Aufstieg in die Bundesliga nicht ausgestanden war. Immer wieder hatte Pagelsdorf die Arbeit seines einstigen Spielers kritisiert und diesem unter anderem vorgeworfen, die Planungen für die kommende Saison zu spät und zu zögerlich angegangen zu sein. Studer hatte Pagelsdorfs Angriffen, die auch persönlich motiviert gewesen zu sein scheinen, zuletzt nichts entgegenzusetzen. Denn der 43-Jährige konnte mit Torwart Stefan Wächter vom Hamburger SV nur eine erstligareife Neuverpflichtung für die kommende Saison präsentieren. Zu wenig, fand wohl auch Aufsichtsratschef Klinkmann. „Jeder wird nach seiner Arbeit beurteilt“, hatte dieser vor wenigen Tagen im Zuge der Querelen um Studer gesagt.

Die Ablösung Studers, der nach wie vor einen Anstellungsvertrag bei Hansa Rostock bis 2010 ohne genaue Tätigkeitsbeschreibung besitzt, wirft jedoch kein gutes Licht auf den Verein. Vorstand und Aufsichtsrat etwa haben nicht gerade Führungsstärke bewiesen, da sie dem Gerangel zwischen Pagelsdorf und Studer nicht schnell und konsequent ein Ende bereitet haben. Zukunftsvisionen scheinen der Klubführung außerdem zu fehlen. Zur Lösung des Problems könnte die Vergangenheit bemüht werden: Mit Herbert Maronn wird Studers Vorgänger laut Berichten der Rostocker Ostsee-Zeitung als dessen Nachfolger gehandelt. Klinkmann hat Maronn bereits den Weg für eine mögliche Rückkehr geebnet. Der Aufsichtsratschef betonte jüngst, dass vor gut einem Jahr Maronn – wie der damalige Vorstandschef Manfred Wimmer – nicht entlassen wurde, sondern seinen Rücktritt aus eigenen Stücken eingereicht hätte. Für Maronn spricht außerdem, dass er und Pagelsdorf auf einer Wellenlänge liegen.

Ob mit einem neuen Manager jedoch mittelfristig Ruhe in Rostock einkehrt, bleibt dahingestellt. Denn auch dieser wird wie sein Vorgänger nur eingeschränkt handlungsfähig sein. Der Klub, der in den vergangenen beiden Spielzeiten etwa 1,8 Millionen Euro Verlust machte und den Verbindlichkeiten von insgesamt etwa acht Millionen Euro drücken, hat kaum Geld für neue Spieler. Das war auch für Stefan Studer ein großes Problem. Rund eine Million Euro sollen lediglich für Verstärkungen zur Verfügung stehen. Erschwerend kommt hinzu: Auch der Etat von 25 Millionen Euro für die kommende Saison steht bislang nicht, da der Vertrag mit einem neuen Hauptsponsor noch nicht abgeschlossen ist. Gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Erstligasaison sind das nicht. Egal, mit welchem Manager.

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