Sport : Der Mann am Rand

Leverkusens Verteidiger Nowotny sucht noch seine Form

Erik Eggers

Leverkusen. Er hatte etwas gewagt. Vor dem Spiel am Wochenende hatte der Kapitän Bayer Leverkusens seine Ambitionen preisgegeben. „Die Meisterschaft ist drin“, verkündete Jens Nowotny der Öffentlichkeit – und dass die Partie gegen Werder Bremen besonders werden würde, weil dort die erfolgreichsten Stürmer spielen. Nach der 1:3 (0:2)-Niederlage gegen den neuen Tabellenführer, für Leverkusen das fünfte Pflichtspiel ohne Sieg hintereinander, war von Nowotny nichts mehr zu vernehmen. Wie seine Mitspieler ignorierte der 29-Jährige die Journalisten, denen er sonst, weil er sich als Sprecher des Teams versteht, selbst bei schlimmen Niederlagen Rede und Antwort steht.

Nowotny hatte mit sich selbst zu tun. Ihn ärgerte die Rote Karte in der letzten Minute (siehe dazu auch die Rubrik „Nachspiel“ auf Seite 21). Und ihn ärgerte die eigene Leistung. Zwar machte Trainer Klaus Augenthaler vor allem die Schwäche im Abschluss für die erste Heimniederlage unter seiner Regie verantwortlich. „Wir haben die meisten Großchancen der Liga“, sagte der Coach und zog einen Vergleich mit Bremens Ailton: „Der macht 15 Tore, während unser ganze Angriff nur neun Tore geschossen hat.“ Dabei verschwieg Augenthaler zwar ein Tor, denn Berbatow und Franca (je drei Tore) und Neuville (vier) haben bisher zehnmal getroffen. Doch im Grundsatz widersprach niemand. Die mangelnde Entschlossenheit vor dem Tor des Gegners ist augenfällig.

Doch auch die Defensive macht Augenthaler Sorgen. Zwar fiel seine Kritik hier moderater aus, zu überhören war sie dennoch nicht. „Beim 2:0 war die Zuordnung nicht da“, sagte Augenthaler zum völlig ungehinderten Kopfballtor durch Krstajic. Der Gegenspieler hieß Jens Nowotny. Aber nicht nur in dieser Szene kam Nowotny zwei Schritte zu spät. Bereits nach zwanzig Sekunden trat der Innenverteidiger über eine leicht zu klärende Flanke Davalas, da ging bereits ein ungläubiges Raunen durchs Publikum. Die erste Großchance durch Ailton leitete der Kapitän unfreiwillig ein, als er einen weiten Abschlag Reinkes per Kopf an den Bremer weiterleitete. Dies war eines der wenigen Kopfballduelle, die Nowotny gegen den starken Bremer Stürmer Klasnic für sich entscheiden konnte. Bei der Führung der Bremer stellte Nowotny die Abwehr zu spät auf Abseits, sodass er selbst das entscheidende Zuspiel Klasnic’ nicht verhindern konnte. Selbst seine geglückte Volleyabnahme zum 1:2 konnte seine Schwächen nicht kaschieren. Zu diesem Nachmittag passte, dass er am Ende des Feldes verwiesen wurde.

Zehn Spiele nach seinem Comeback stellen Nowotny und Lucio nicht wieder die „beste Innenverteidigung der Welt“, wie sie Manager Reiner Calmund einst nannte. Lucio ist nicht in Form – Nowotny erst recht nicht. Ob er nach der Winterpause, die er nun vorzeitig antritt, seine alte Stärke wieder erreicht? Auch davon wird abhängen, ob Leverkusen wirklich in den Titelkampf eingreifen kann.

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