Sport : Der Mann, der Ali war

Hartmut Scherzer

Muhammad Ali feiert sein Comeback - auf der Leinwand. Rechtzeitig zum 60. Geburtstag des größten Boxers aller Zeiten am 17. Januar 2002 kommt die schillerndste Karriere in der Geschichte des Sports ins Kino. Der Titel des Epos besteht aus drei Buchstaben: Ali. Ab Weihnachten läuft der Film in den USA. Anfang des Jahres soll die 105 Millionen Dollar teure Produktion der Columbia Pictures in Deutschland zu sehen sein.

Hollywood-Star Will Smith ("Independence Day") spielt "Amerikas größtes Ego", wie Norman Mailer den dreimaligen Box-Champion im Schwergewicht nannte. Smith nennt die Rolle seine "größte Herausforderung", nicht nur für Stimme und Körper, sondern für "mein Einfühlungsvermögen dafür, wer dieser Mann war". Der Schauspieler hatte den Boxer auf dessen Anwesen Berrien Springs in Michigan besucht und war von dessen Charisma beindruckt. Trotz seiner Parkinson-Krankheit könne Ali noch über sich staunen und sich selbst bewundern. "I am the greatest" gilt nach wie vor.

Ali schmeichelt seinem zweiten Ich: Smith sei ein großer Schauspieler, der beste für diese Rolle. "Denn er sieht ein bisschen aus wie ich, gibt sich wie ich, hört sich an wie ich." Um dem Größten in dessen Glanzzeit als boxender Narziss und politischer Rebell so weit wie möglich zu ähneln, trainierte Smith monatelang in der Höhenluft von Aspen. Er legte 16 Kilo Muskelmasse zu, um Alis Athletik und Kampfgewicht von 100 Kilo zu kopieren. Denn in den Kampfszenen verlangte Regisseur Michael Mann, wie er dem amerikanischen Film-Magazin "Premiere" anvertraute, Faustschläge "so real wie möglich".

Bei den Dreharbeiten bekam es Will Smith mit einem echten Fighter zu tun. Charles Shufford, der letzten Sommer in Las Vegas gegen Wladimir Klitschko um die Weltmeisterschaft kämpfte und durch K.o. verlor, spielt George Foreman. Alis Sieg gegen Foreman im Kampf in Kinshasa wurde in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, gedreht. Rund 25 000 Mosambikaner wurden als Zuschauer rekrutiert und im Fußballstadion auf den blutrünstigen Schlachtruf jenes "Rumble in the jungle" am 30. Oktober 1974 eingestimmt: "Ali, boma ye!" (Ali, töte ihn).

Die Darsteller der Charaktere in Alis Entourage, vom schamanenhaften Hofnarren Drew "Bundini" Brown (Jamie Foxx) über den ausgebufften Trainer Angelo Dundee (Ron Silver) bis hin zum arroganten ABC-Kommentator Howard Cosell (Jon Voight), vermitteln eine erstaunliche Ähnlichkeit. Darauf legt der Produzent wert: Der Fotograf Howard Bingham, seit 1962 Alis engster Vertrauter.

Mit seinen 235 gefilmten Szenen will Mann "einen Ali aus Fleisch und Blut" zeigen - im Ring und mit all den Konflikten außerhalb: Die Freundschaft mit Elijah Muhammad, dem Führer der Nation of Islam. Der Religions- und Namenswechsel von Cassius Clay ("Ein Sklavenname") zu Muhammad Ali. Begegnungen mit dem radikalen, später ermordeten Malcolm X - unter Beobachtung der CIA. Protest gegen den Vietnam-Krieg. Wehrdienstverweigerung. Verbannung vom Ring. Die Besinnung auf die Wurzeln in Afrika.

Dennoch, betont der Regisseur, sei der Film weder ein dokumentarisches Drama noch eine Bildbiographie. Mann will Ali in seiner Bedeutung für viele Menschen in jener Protestepoche von 1964 bis 1974 zeigen, die in die Zeit zwischen dem Gewinn und dem Rückgewinn der Weltmeisterschaft im Schwergewicht gegen Sonny Liston und George Foremann fällt. "Es ist kein Boxfilm, kein romantischer Film, sondern ein sehr dramatisches Stück Geschichte", sagt Mann. "Mit Ali als eine der Ikonen der Afro-Amerikaner, die Black Power, ihren kulturellen und ethnischen Stolz entdecken."

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