Sport : Der Mann, der ausstieg und kein Weltmeister mehr war

Nach Platz zehn in Monza kann Michael Schumacher seinen Titel nicht mehr verteidigen – Montoya gewinnt vor Alonso

Frank Bachner[Monza]

Wahrscheinlich hat eine der kolumbianischen Fahnen ein paar Champagnerspritzer abbekommen. Oben, auf dem Siegerpodest stand Juan Pablo Montoya und spritzte lachend Champagner in die Menge. Unter ihm hatten sich besonders viele Fans mit kolumbianischen Flaggen auf der Zielgeraden versammelt. Montoya, der Kolumbianer im McLaren-Mercedes, hatte gerade in Monza den Großen Preis von Italien in der Formel 1 gewonnen. Irgendwo wehten auch ein paar Ferrari-Fahnen, ziemlich weit hinten. Das passte ins Bild. Michael Schumacher, der siebenmalige Weltmeister, war in seinem Ferrari als Zehnter ins Ziel gerast. Ein Desaster beim Heim-Grand-Prix von Ferrari. Der eigentliche Sieger dieses Rennens aber spritze nicht bloß, er trank auch Champagner. Fernando Alonso hatte im Renault zwar nur Platz zwei belegt, aber der Spanier ist seit gestern fast schon Weltmeister. Denn Kimi Räikkönen, Zweiter in der WM-Gesamtwertung, wurde in seinem McLaren-Mercedes nur Vierter hinter dem Renault-Piloten Giancarlo Fisichella. Und damit hat der Finne vier Rennen vor Saisonende 27 Punkte Rückstand auf Alonso.

„Man muss kein Prophet sein, um vorher zu sagen, dass Fernando neuer Weltmeister wird“, sagte Michael Schumacher später. Nur Alonso selber verkündete mit ernstem Gesicht: „Ich fühle mich noch nicht wie ein Weltmeister.“ Er wirkte fast lächerlich, dieser Satz. Seit der 28. Runde in Monza ist dieser WM-Kampf praktisch erledigt. In der 28. Runde endete die große Aufholjagd des Kimi Räikkönen. Da musste der Finne unplanmäßig an die Box. Reifenwechsel. Damit verlor er wertvolle Zeit. Direkt nach dem Reifenwechsel fiel er auf Rang zwölf zurück. Er machte danach Plätze gut, aber es nützte ihm nichts. Während Räikkönen verzweifelt kämpfte, gab es an der Spitze die nächste dramatische Situation. Montoya, der vom Start weg führte und lange mehrere Sekunden vor Alonso lag, hatte plötzlich Probleme mit seinem linken Hinterreifen. Der begann sich immer stärker aufzulösen. „Als wir das bemerkt haben, versuchten wir noch mal alles, um Juan zu überholen“, sagte Alonso. „Es hat leider nicht geklappt. Aber wenn das Rennen nur eine Runde länger gedauert hätte, dann hätte ich gewonnen.“ Montoya, Räikkönen, Alonso, das waren in Monza die beherrschenden Themen, an einem außergewöhnlichen Renntag in der Formel 1: Erstmals seit 44 Jahren, seit dem Großen Preis der Niederlande in Zandvoort 1961, kamen alle gestarteten Autos ins Ziel.

Michael Schumacher ging da fast unter. Er kämpfte verzweifelt, landete kurz vor Schluss sogar kurz im Kiesbett, aber am Ende blieb ihm nur eins: Haltung zu bewahren. „Wir resignieren nicht, sonst wären wir schlechte Verlierer“, sagte er. Noch liegt er in der WM-Wertung auf Rang drei, fünf Punkte vor Montoya. Aber er macht sich nichts vor: „Diesen Platz werde ich kaum verteidigen können.“ Dass er seinen Titel seit gestern nicht mehr verteigen kann, versuchte Schumacher mit Humor zu nehmen: „Ich bin eigentlich überrascht, dass ich überhaupt so lange Weltmeister gewesen bin“, sagte er.

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