Sport : Der Mann für die Extrakringel

Weil Stürmer David Roberts aus der Rolle fiel, fehlt er heute den Eisbären gegen Hannover

Claus Vetter

Berlin. Der jüngste Auftritt von David Roberts im Trikot des EHC Eisbären war bemerkenswert – in mehrfacher Hinsicht. Am Sonntag, beim Spiel der Berliner in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen Mannheim, blieben Roberts’ Taten keinem Zuschauer verborgen. Früh hatte er sich mit dem Schiedsrichter angelegt und musste auf die Strafbank. Zurück auf dem Eis, leitete er ein Tor ein. Einmal den Puck herumgewischt und ohne Blickkontakt auf den Kollegen Fairchild gespielt: Ein derartiges Kunststück hat im Sportforum noch keiner vorgeführt. Aber wenig später hatte Roberts ausgezaubert, legte sich mit dem Schiedsrichter an und bekam eine Spieldauer-Disziplinarstrafe.

Die unrühmliche Vorstellung bereitet Roberts im Nachhinein mehr Kopfschmerzen als Freude, denn nun ist er für das heutige Spiel der Eisbären gegen die Hannover Scorpions (Beginn 19.30 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen) gesperrt. Das erste Mal überhaupt, seitdem er im Sommer 2001 nach Berlin kam. „Ich weiß immer noch nicht, warum der Schiedsrichter das gemacht hat“, sagt Roberts. „Der hat mich für ein Foul rausgestellt, das ich nicht begangen hatte. Dabei habe ich versucht, sachlich und leise mit ihm zu diskutieren, um ihn nicht bloßzustellen.“

Leise und sachlich? Roberts ist gegen Mannheim wohl eher aus der Rolle gefallen. Roberts befindet sich bei den Eisbären ohnehin schon in keiner besonders guten Situation. 23 Tore hat der US-Amerikaner in der vergangenen Hauptrunde für die Berliner erzielt, so viele wie kein Mitspieler. Gedankt hat es ihm niemand. Die Fans feierten stets nur die anderen wie Marc Fortier oder Steve Larouche. Insofern hat er im Spiel gegen Mannheim etwas für sein Image getan. Auffälligkeit verschafft nun einmal Profil, vor allem beim Anhang.

„Hoffentlich“, sagt Roberts. „Aber ich will nicht, dass der negative Eindruck überwiegt." Viel Bescheidenheit für einen, der schon in der vergangenen Saison den Aufschwung bei den Eisbären eingeleitet hat. Dabei kommt der aus Kalifornien stammende Roberts aus einer Familie, in der sportlicher Glamour die Regel ist. Vater Doug war in der National Hockey-League (NHL) ein Star, auch der Onkel hat es in die nordamerikanische Profiliga geschafft. Nur für David platzte der Traum NHL nach 134 Spielen. „Mein Fehler war, dass ich mir zu viele Gedanken darüber gemacht habe, ich könne in ein Farmteam abgeschoben werden."

Auf dem Eis ist der 32-jährige, technisch versierte Stürmer immer für einen Extrakringel gut. Und abseits der Eisfläche ist Roberts durchaus für diffizile Gedankenspiele zu haben. Vielleicht hat ihm das in dieser Saison eher geschadet denn genützt, denn vor dem gegnerischen Tor konnte er sich noch nicht in gewohnter Manier profilieren. „Da waren viele knappe Situationen dabei“, sagt er. „Situationen, in denen ich nachgedacht und dabei meine positive Einstellung vergessen habe." Ähnlich ging es nach dem Spiel gegen Mannheim wohl auch Peter John Lee. Der Manager der Eisbären hatte einen Disput mit dem Schiedsrichter, nun will die DEL eine Stellungnahme von Lee. Davon lässt Lee sich nicht irritieren. „Das war ein privates Gespräch mit dem Schiedsrichter“, sagte Lee.

Lee betreut im Nebenjob als Kotrainer die Schweizer Nationalmannschaft und kehrte Donnerstag auch um eine linguistische Erfahrung reicher aus Zürich zurück. „Die sprechen dort ein noch interessanteres Deutsch als ich“, sagte der Kanadier. Der Schweizer Nationaltrainer Ralph Krueger hat Lee sein Buch „Teamwork“ als Präsent für Eisbären-Trainer Pierre Pagé mitgegeben.

Teamwork? Das ist das Stichwort für den heute zuschauenden Torjäger aus dem Vorjahr. „Es ist doch egal, wer bei uns die Tore schießt“, sagt Roberts. „In den kommenden 38 Spielen und in den zehn Spielen danach.“ Für Roberts gibt es also noch reichlich Gelegenheiten, nach dem einen Aussetzer seine Qualitäten zu beweisen.

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