Sport : Der Mann für die gute Laune

Spieler, Scout und nun Kotrainer: Sven Kretschmer hat Freude an seinem neuen Job bei Hertha BSC

Claus Vetter

Berlin - Sven Kretschmer wirkt beruhigt. „Das war sehr angenehm “, sagt der neue Kotrainer von Hertha BSC. Er meint seinen Einstand beim 3:1 in Bochum an Seite von Karsten Heine, dem Nachfolger von Falko Götz. Nach langer Krise hatte der Berliner Fußball-Bundesligist am Samstag endlich sein so wichtiges Erfolgserlebnis im – ja im – Abstiegskampf. „Ich kann die Zeit vorher ja nicht so gut bewerten, bei Falko war ich zu selten auf dem Platz“, sagt Kretschmer. „Aber die Jungs scheinen irgendwie freier im Kopf zu sein. Das hat man in Bochum gesehen.“

„Kretsche“, so nennen sie den inzwischen 36 Jahre alten Sven Kretschmer schon lange bei Hertha BSC. Das ist halt so, wenn man jahrelang in einem Klub ist, dann schmücken sie jemanden mit so einem Spitznamen. Schon in der Saison 1988/89 hat Kretschmer sein erstes Zweitligator für die Hertha geschossen. Er war dann ein Jahr später dabei, als die Berliner mitten in der politischen Wendezeit ein wenig unvermittelt eine chaotische Saison in der Bundesliga spielten. Immerhin sechs Tore hat Kretschmer damals erzielt – zum Teil unter Trainer Heine, der ihn zuletzt am 31. März diesen Jahres im Regionalliga-Spiel von Hertha II gegen den VfL Osnabrück eingesetzt hat. Es war wohl das letzte Comeback des kompakten Stürmers. Schon beim Regionalligateam habe er Heine „unterstützt“. Daher wollte der neue Chef den Posten des Kotrainers auch mit dem bisherigen Spielerbeoachter – das war Kretschmer im Hauptberuf – besetzen. „Manager Dieter Hoeneß hatte da auch noch ein Wörtchen mitzureden“, sagt Kretschmer schmunzelnd. Dass er einige Spieler noch als seine Mitspieler aus der Regionalliga kennt, sieht er nun nicht als ein seine Autorität gefährdendes Problem. „Der Job des Kotrainers ist es doch, Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft zu sein und für gute Laune zu sorgen.“ Der Mann für die Stimmung ist aber auch akribisch. Gegnerbeobachtung und Videoanalyse fallen in seinen Aufgabenbereich. Der Kretschmer, „der lebt Fußball“, sagte Manager Hoeneß unlängst.

Kretschmer will den Auftakt mit Hertha nicht überbewerten, so „angenehm“ er für ihn mit dem Sieg in Bochum auch war. „Dass Trainerwechsel einen psychologischen Schub bringen, ist erwiesen“, sagt er. Die Spieler müssten sich ihre Rollen in den nun „leicht veränderten Trainingsabläufen“ erkämpfen. Das gebe einen Schub, der sich für die letzten fünf Spieltage nutzen lasse, hofft der neue Kotrainer.

Prognosen über Tabellenplätze gebe es von ihm nicht, sagt Kretschmer. Auch nicht über die eigene berufliche Zukunft? Er würde gern mit Karsten Heine auch über die Saison hinaus den Bundesligisten betreuen. „Aber ich war auch im Scouting sehr zufrieden. Ich wäre nicht unglücklich, wenn ich meinen alten Job wieder machen würde.“ Das klingt bescheiden. Sven Kretschmer lacht. „So sind wir eben.“ Es war nicht ganz ernst gemeint.

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