Sport : Der Mann mit dem Trick

Eisbären verpflichten Verteidiger Andy Roach

Claus Vetter

Berlin - Es war eine Körpertäuschung, mit der sich Andy Roach glücklich und viele Tschechen unglücklich machte. 2:2 stand es am 5. Mai 2004 im Viertelfinalspiel der Eishockey-Weltmeisterschaft nach torloser Verlängerung zwischen dem Gastgeber und den USA. Es kam zum Penaltyschießen. Keiner traf, bis Roach unter dem Pfeifkonzert der 17 000 Zuschauer in der Saska-Arena anlief: Unbeeindruckt umtanzte er nach scharfem Bremsen den überraschten Torhüter Tomas Vokoun und schob die Scheibe ein. 3:2, die USA waren im Halbfinale, Favorit Tschechien war ausgeschieden und viele Beobachter waren verdutzt – sie kannten Roachs Penalty-Trick noch nicht. Der Verteidiger hatte ihn in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bei den Mannheimer Adlern einstudiert, sagte aber: „Ich habe den Trick beim Penaltyschießen nur gemacht, wenn das Fernsehen nicht übertragen hat.“ Den Vorteil hat Roach nicht mehr, seit der WM 2004 können gegnerische Trainer und Torhüter seine Technik beim Penaltyschießen auf Videoband studieren.

Demnächst wird Roach bei Fernsehübertragungen im Trikot der Eisbären erscheinen, denn die Berliner haben den 1,81 Meter großen Mann aus dem US–Staat Michigan für die neue DEL-Saison verpflichtet. Die Verpflichtung von Roach war für den deutschen Meister eine Notwendigkeit. Denn drei ihrer besten Profis haben die Eisbären nach dem Gewinn ihres zweiten Titels verloren: Stürmer Denis Pederson sowie die Verteidiger Derrick Walser und Micki Dupont – sie alle spielen künftig in der nordamerikanischen Profiliga NHL. Dort, wo Roach spielen wollte. Doch für den Verteidiger, der in seinen fünf Jahren in Mannheim auch schon mal Stürmer spielte, lief es nach der WM 2004 nicht glatt. Zwar wechselte er zu den St. Louis Blues – doch dann kam der Arbeitskampf in der NHL und die Saison fiel aus. Roach spielte beim HC Lausanne. Vergangene Saison kam für ihn mit nur fünf Einsätzen in St. Louis dann ein unglückliches Intermezzo in der NHL, bevor er wieder in die Schweiz ging, zum Züricher SC. Trotzdem sei Roach für die Berliner ein Glücksgriff, sagt Peter John Lee. „Der ist schnell, torgefährlich, außerdem ein guter Typ.“ So einen, wie ihn können die Eisbären, „nach den Abgängen brauchen“ findet der Klubmanager. Roach habe ihm gesagt, dass die Eisbären und ihr offensives Spielsystem zu ihm passen würden.

Lee glaubt auch, dass Roach mit 32 Jahren noch „große Momente in seiner Karriere“ vor sich habe. Zwei ganz große Momente seiner Laufbahn hat der neue Eisbär schon hinter sich: Vier Tage nach dem Sieg gegen Tschechien bejubelten sie bei der WM 2004 im Spiel um Platz drei beim Team USA noch einmal den Mann mit der Nummer sechs: 1:0 gegen die Slowakei nach Penaltyschießen, Siegtorschütze Andy Roach – mit seinem Trick im Penaltyschießen, dem er auf Nachfrage übrigens den Zauber etwas nahm. „Ich mache nichts Magisches. Das ist nur viel Übung. Jeder andere Spieler kann das auch.“ Zum Glück für die Eisbären stimmt Letzteres nicht.

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