Sport : Der Mann nach Dylan

Eisbär Fairchild kommt aus der kleinen Stadt eines großen Stars

Claus Vetter

Berlin. Bob Dylan hat sich im Ort seiner Jugend nie besonders wohl gefühlt. Nachdem er seine Heimatstadt Hibbing im Bundesstaat Minnesota verlassen hatte und nach New York gekommen war, verstellte er seinen Akzent, um seine kleinstädtische Herkunft zu kaschieren. „Für einen Jugendlichen ist es da nicht sehr aufregend“, erzählt Kelly Fairchild. „Dort bleibt dir nur eins, du spielst Eishockey." Fairchild verließ seine Heimatstadt mit 15 Jahren – ohne öffentlichen Ärger wie seinerzeit Bob Dylan. Heute verdient er sein Geld als Eishockeyprofi bei den Berliner Eisbären.

34 Spiele hat Fairchild in der nordamerikanischen Profiliga NHL für Toronto, Dallas und Colorado absolviert. In der vergangenen Saison pendelte er noch zwischen Colorado Avalanche und dem Farmteam Hershey Bears aus der American Hockey League. Eine attraktive Offerte aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) überzeugte den Amerikaner schließlich, seine Heimat zu verlassen: Im Sommer unterschrieb er bei den Eisbären. „Ich hatte nur Gutes über den Klub in Berlin gehört“, sagt der Mittelstürmer.

Für die Eisbären hat es sich gelohnt. Vor dem Spiel heute in Augsburg führt Fairchild die Scorer-Statistik (Tore und Vorlagen) der DEL mit 43 Punkten an. „Die Mannschaft ist gut, wir sind Erster, das spricht für sich selbst und nicht nur für mich“, sagt Fairchild, der ausgerechnet in Deutschland ein völlig neues Gefühl kennen lernt: „Seit ich Profi bin, habe ich noch nie mit so vielen Landsleuten in einer Mannschaft gespielt.“ Bei den Eisbären sind sechs US-Amerikaner unter Vertrag, so viele wie bei keinem anderen DEL-Klub. Fünf von ihnen durften im November beim Deutschland-Cup für die USA auflaufen, unter ihnen auch Kelly Fairchild.

Die Berufung ins Team USA sollte auch die Chronisten in der Heimat interessieren – von Bob Dylan einmal abgesehen, steht es schlecht mit prominenten Söhnen oder Töchtern aus Hibbing. Dennoch ist der Eishockey-Nationalspieler Kelly Fairchild den Machern der offiziellen Hibbing-Homepage im Internet keine Erwähnung wert – vielleicht, weil er so weit weg von zu Hause in Berlin spielt. Ob das auch in der nächsten Saison so sein wird, ist noch offen. „Es hat schon Gespräche über einen neuen Vertrag gegeben“, sagt Manager Peter John Lee. Fairchild winkt ab: „Vertragsverlängerungen sind momentan nicht so wichtig wie andere Dinge.“ Meint er die Meisterschaft mit den Eisbären? „Davon rede ich nicht“, sagt der Topscorer der DEL. „Aber formulieren wir es mal so: ich mag unsere Chance."

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