Sport : Der Mann vor Kölzig

Erstes Heimspiel für Eisbären-Verteidiger Dempsey

Claus Vetter

Berlin - Die Vorfreude auf diesen Tag ist groß bei den Eisbären. Schließlich feiert heute beim Spiel der Berliner gegen die Hannover Scorpions ein prominenter Spieler sein Debüt im Sportforum (14.30 Uhr). Das werde eine große, gute Sache, verspricht Eisbären-Sprecher Moritz Hillebrand. Mit Trikotverlosung zugunsten der Flutopfer zum Beispiel. Manager Peter John Lee wirkte gestern sogar freudig nervös, als er auf ein Heimdebüt eines seiner Spieler angesprochen wurde: „Ja, der Olaf wird heute ...“ Nein, nicht nur Kölzig, der Startorwart aus der pausierenden Eishockey-Profiliga NHL, wird sich erstmals den Fans in Berlin präsentieren, sondern auch noch ein Verteidiger aus der NHL. Lee lacht. „Ach ja, der Nathan, stimmt.“

Der „Ach-ja-der-Nathan“ findet den Rummel um Kölzig amüsant. „Aber das kommt mir ganz gelegen“, sagt Nathan Dempsey. „Denn der Druck auf meine Person ist somit nicht unbedingt hoch“, sagt der 30 Jahre alte Verteidiger aus Kanada. „Natürlich bin ich ziemlich aufgeregt vor meinem ersten Heimspiel für die Eisbären.“ Seit zwei Auswärtsbegegnungen für die Eisbären kennt Dempsey die Deutsche Eishockey-Liga (DEL). „Die Spiele in Köln und Augsburg waren gut, da konnte ich mich vor dem ersten Heimspiel schon mal eingewöhnen.“ Manches macht ihm noch zu schaffen. Die im Vergleich zu Nordamerika größeren Eisflächen in der DEL und natürlich sein Trainingsrückstand. Für den Kanadier begann die Saison erst am Dienstag: Von Oktober an hätte er eigentlich für die Los Angeles Kings in der NHL verteidigt. Das Hin und Her um eine Saisonabsage, die Mittwoch erfolgte, gestern durch Gerüchte, dass sich Spielergewerkschaft und Liga in der Nacht zum Sonntag in New York doch noch auf einen Saisonstart einigen könnten, wieder aufgeweicht wurde, nervt ihn inzwischen. „Es ist zwar schön, dass jetzt wieder verhandelt wird“, sagt er. „Aber mein Job ist jetzt in Berlin.“

Seinen Job hat Dempsey in der Vergangenheit eher schnörkellos erledigt. Er gilt als Typ, der sich seine Karriere in der NHL mehr erkämpft als erspielt hat. Dempsey muss darüber schmunzeln. „Es stimmt. Ich habe hart gearbeitet und meinen Durchbruch in der NHL erst spät geschafft.“ Nachdem er sich vor drei Jahren dann aber einen Stammplatz bei den Chicago Blackhawks erkämpft habe, sei es für ihn blendend gelaufen. „Überzahl, Unterzahl – ich durfte in allen Spielsituationen aufs Eis.“ Das nutzte Dempsey dann zu erstaunlich guten statistischen Werten für einen Verteidiger: In 196 NHL-Partien kam er auf 76 Scorerpunkte.

Für Manager Lee ist Dempsey „ein intelligenter, besonnener Typ“, der in jedes Team passt: „Nathan ist ein Allrounder mit einem gutem Schuss.“ Somit jemand, den die Eisbären, nun als Tabellendritter punktgleich mit Tabellenführer Nürnberg, im Endspurt der Hauptrunde gebrauchen können. Und wer weiß, vielleicht werden ja Trikots mit der Nummer 15, der von Nathan Dempsey, bei den Berliner Fans bald fast genauso hoch im Kurs stehen, wie die mit der Nummer 40 – der Nummer, mit der Olaf Kölzig heute erstmals im Sportforum aufläuft.

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