Sport : Der Mannschaftsdiener

Michael Wright ist kein Mann der großen Worte – und trotzdem ein Führungsspieler bei Alba Berlin

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Wenn Michael Wright ausgewechselt wird und auf der Bank Platz nehmen muss, zieht er kein T-Shirt über sein Trikot, so wie es die anderen Spieler tun. Er braucht sich nicht warm zu halten; Michael Wright ist heiß. „Er gibt immer 110 Prozent von dem, was er hat, egal, ob wir trainieren oder spielen“, sagt sein neuer Trainer Emir Mutapcic. Wrights vorbildliche Einstellung zum Basketball war einer der Gründe dafür, dass Alba Berlin den US-Amerikaner im Juli für die kommende Saison unter Vertrag nahm.

In der vergangenen Saison, die schlechteste für Alba seit zehn Jahren, spielte John Best auf der Position, die Wright jetzt besetzen soll. Best war ein eher eigensinniger Spieler, ein Individualist. Und es war mangelnde Teamfähigkeit, mit der Alba in der vergangenen Saison wohl die größten Probleme hatte. „Wir haben bei allen Verpflichtungen darauf geachtet, dass die Spieler mannschaftsdienlich sind“, sagt Manager Marco Baldi. Michael Wright ist ein solcher Spieler.

Jedenfalls konnte man diesen Eindruck am Wochenende bei der Berlin Trophy, dem Vorbereitungsturnier der Berliner in der Schmeling-Halle, gewinnen: Wenn Wright einen Korb erzielte, ließ er sich nicht für seine Leistung feiern, er zeigte stattdessen mit ausgestrecktem Zeigefinger auf den Spieler, der ihm zuvor den Ball gepasst hatte. Von den sechs Neuzugängen, die Alba Berlin in dieser Saison verpflichtete, wirkt Wright wie der am besten integrierte. In der Offensive ist er die erste Option, bekommt die meisten Anspiele. Wrights größte Stärke aber liegt eindeutig in der Defensive: „Als Verteidiger ist er sehr flexibel, er kann sowohl große, als auch kleine Gegner verteidigen“, sagt Mutapcic. Konfrontiert man den 24-Jährigen mit dem Lob des Trainers, lacht er verlegen: „Ach, so gut bin ich auch wieder nicht.“ Als sich jemand beeindruckt zeigt, dass Wright seinen Abschluss in Psychologie an der „University of Arizona“ ein Jahr unter der Regelstudienzeit absolvierte, wirkt es, als sei ihm das ein bisschen unangenehm. „Woher wissen Sie das eigentlich?“, fragt Wright. Ob er sich in der Rolle eines Führungsspieler sehe, weil er seine Mitspieler bereits in den ersten Spielen auffallend oft per Handzeichen zuordnete? „Weil ich viel kommuniziere, bin ich doch noch kein Führungsspieler.“ Wright ist kein Mann der großen Worte.

Vor gut zwei Jahren wollten die Berliner den 2,02 Meter großen Power Forward schon einmal verpflichten. Damals waren sich Wright und Alba sogar einig, der Vertrag lag zur Unterschrift bereit. Gescheitert ist die Verpflichtung allein daran, dass Wrights Berater nur einen Einjahresvertrag abschließen wollten, Alba jedoch auf einem Zweijahresvertrag bestand. Grund dafür war die Hoffnung der Berater, dass ihr Mandant es nach einer guten Saison in Europa in die nordamerikanische Profiliga NBA schaffen würde.

Nach dem Abschluss seines Studiums zeigte der NBA-Klub New York Knicks großes Interesse an Wright, verpflichtete ihn letztlich aber nicht. „Das liegt an meiner zu geringen Körpergröße“, sagt Wright. „Ich bin ein Power Forward im Körper eines Small Forwards.“ Damit meint Wright, dass er hauptsächlich unter dem Korb agiert, mit 2,02 Meter aber wahrscheinlich zu klein ist, um sich in der NBA durchzusetzen. Um es letztlich doch noch nach Nordamerika zu schaffen, will er seinen Spielstil verändern. In den vergangenen zwei Jahren, beim israelischen Klub Hapoel Tel Aviv, musste er fast ausschließlich unter dem Korb spielen. Das war ein Grund, weshalb er nach Berlin wollte. „Der Trainer hat mir zugesichert, dass ich auch von draußen werfen kann.“

Die Grundvoraussetzung für ein flexibleres Spiel hat er allerdings bereits in Israel gelegt, indem er über zehn Kilogramm abnahm. Wright wiegt jetzt nur noch 108 Kilogramm. „Das war nicht schwer, denn ich bin in Israel Vegetarier geworden“, sagt Wright. „Die Menschen dort essen aus religiösen Gründen wenig Fleisch, und ich habe mich dem angepasst.“

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