Sport : Der Marathon-Mann

Robert Hartmann

"Ähnlich nervös wie vor einem olympischen Finale" sei er gewesen, erzählte Dieter Baumann, nachdem er am Sonntag in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle das erste Ausrufezeichen nach seiner zweijährigen Dopingsperre gesetzt hatte. Der 36-jährige Schwabe wurde beim internationalen Leichtathletik-Sportfest ehrenvoller Zweiter über 3000 Meter in der Zeit von 7:47,54 Minuten, immerhin hinter dem aktuellen Olympiasieger, dem 15 Jahre Jahre jüngeren Äthiopier Momo Wolde.

In Deutschland kann immer noch kein anderer so schnell wie der Schwabe rennen. Er erreichte fast die gleiche Zeit, mit der er vor zwölf Monaten an gleicher Stelle Deutscher Hallenmeister geworden war. Damals hatte er die Startberechtigung beim Rechtsausschuss des eigenen Verbandes erstritten. Die Atmosphäre in der Halle am Sonntag habe er als "sehr angenehm" empfunden, sagte Baumann. Im vorigen Jahr hatten die schrillsten Pfeifer gegen seinen Auftritt vorwiegend auf der Ehrentribüne gesessen, die Funktionäre. Sie fehlten diesmal, und als Baumann dann ins Laufen kam, nach 2200 Metern sogar die Führung übernahm, war die Stimmung euphorisch. Kein Wunder: Nach der Hälfte des Rennens war Baumann mit den Ostafrikanern unter sich.

Am nächsten Sonntag wird er in Stuttgart wieder 3000 Meter laufen, und er verspricht eine Steigerung. Zwei Tage später reist er in ein Höhentrainingslager nach Kenia. Baumann nimmt seinen alten Rhythmus wieder auf. Denn in seinen weiteren Plänen gibt es zunächst einen wichtigen Termin: Hamburg, 21. April. Sein erster Marathon. Auch wenn Dieter Baumann sagt, er wolle vorsichtig an die 42-Kilometer-Distanz herangehen, der Ehrgeiz des Bahnläufers hat ein neues markantes Ziel gefunden. Wenn die Premiere daneben gehen sollte, will Baumann einen zweiten und dritten Versuch starten. Was, wenn nicht ein Start bei Olympia 2004 in Athen, steckt ihm da im Kopf?

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