Sport : Der Meister als Lehrling

Zum Start der Eishockeysaison verliert das junge Team der Eisbären 2:4 in Nürnberg

Florian Jennemann[Nürnberg]

Erst zwölf Minuten waren zwischen den Nürnberg Ice Tigers und den Eisbären gespielt, da begann Youri Ziffzer auf der Berliner Auswechselbank sich aufzuwärmen. Wenn ein Ersatztorwart im Eishockey derart früh mit seiner Einwechslung rechnet, ist das kein gutes Zeichen. Auch nicht für die junge Mannschaft des Deutschen Meisters, für den gestern der Ernstfall begonnen hat. Zu dem Zeitpunkt, als sich Ziffzer dehnte und streckte, hatte der erste Berliner Torwart Daniar Dschunussow bereits drei Gegentreffer kassiert. Der Fehlstart der Eisbären in die neue Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) war damit schon frühzeitig besiegelt. Ziffzer wurde zum zweiten Drittels eingewechselt, die Niederlage allerdings konnten er und seine Vorderleute nicht mehr verhindern. Die Berliner verloren zum Saisonauftakt vor 5083 Zuschauern in der Arena Nürnberg 2:4 (0:3, 0:0, 2:1).

Die neue Spielzeit hat also nicht glücklich für die Eisbären begonnen, die sich schon zuvor vorsichtig über ihre Chancen in Nürnberg geäußert hatten. Mannschaftskapitän Steve Walker hatte gesagt, dass er mit einem schwierigen Saisonstart rechne. Schließlich sei die Konkurrenz jetzt gegen sein Team besonders motiviert. „Natürlich ist es etwas besonderes, den Meister zu schlagen“, sagte Walker. Allerdings hatten die Nürnberger gestern wohl mehr Gegenwehr erwartet. „Die Berliner haben die beste Mannschaft der Liga“, hatte ihr Verteidiger Christian Laflamme gesagt. „Nach dem Spiel werden wir wissen, wo wir stehen.“

Vermutlich wissen das die Nürnberger immer noch nicht, denn die undisziplinierten Eisbären stellten die Ice Tigers gestern nicht vor Probleme: Nürnberg nutzte im ersten Drittel drei Überzahlspiele zu drei Toren. Hatte Berlins Torwart Dschunussow bei den ersten Gegentreffern – beide von Petr Fical erzielt – noch kaum eine Abwehrchance, so gab der 19 Jahre alte Berliner beim dritten Nürnberger Tor keine gute Figur ab. Colin Beardsmore schlenzte den Puck in lässiger Manier an Dschunussow vorbei. Der junge Torwart hatte es aber auch nicht einfach, war doch die Unordnung im Berliner Verteidigungsdrittel recht groß. Dagegen spielte sich vor dem Tor der Franken wenig ab: Eine gute Torchance hatten die Eisbären in den ersten 20 Minuten nur, Derrick Walser vergab sie.

Schon nach der ersten Drittelpause beschränkten sich die Nürnberger auf das Verwalten ihres Vorsprungs. Die Eisbären wurden ein wenig munterer, Großtaten der Berliner Stürmer waren aber trotzdem nicht zu beobachten. Francois Methot bestätigte dann mit seinem Tor zum 4:0 nach 48 Minuten, dass das Nürnberger Überzahlspiel gestern exzellent war und dass die junge Mannschaft der Berliner mit ihrem Altersschnitt von 22,4 Jahren überfordert war.

Am Freitag setzten die Eisbären sogar den kürzlich erst 17 Jahre alt gewordenen Marcel Müller ein. Müller wird ein wenig dazugelernt haben gegen die erfahrenen Gegenspieler. Das aber war kein Trost für seinen Trainer, der sich auch über die ersten beiden Berliner Saisontore – Denis Pederson traf nach 51 Minuten, René Kramer kurz vor Schluss – nicht so recht freuten konnte. Pierre Pagé sagte nach dem Spiel: „Der Unterschied zwischen Nürnberg und uns waren vier Überzahltore. Wir hatten keine Disziplin. Das ist schade, denn letztes Jahr haben wir die Meisterschaft mit Disziplin gewonnen.“ Und mit erfahrenen Spielern. Die Diskussion, ob die Eisbären mit ihrer jungen Mannschaft in der DEL konkurrenzfähig sind, wird nun sicher im Umfeld des Klubs lauter als bisher geführt werden.

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