Sport : Der Meister von München

Nach dem Sieg im Stadtderby bleibt den Bayern die Gewissheit, dass in Glasgow eine Steigerung nötig ist

Daniel Pontzen

München. Wenn der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge das Wort ergreift, dann ist die FC Bayern AG häufig ein bisschen mehr AG als FC. Technokratische Vokabeln finden in der Sprache des ehemaligen Mittelstürmers Verwendung, Vokabeln wie „Profitabilitätskriterien“ oder „Joint-Venture-Aufgaben“ schleichen sich immer wieder in seine Sätze ein. Nach dem glücklichen 1:0 der Bayern gegen den TSV 1860 aber beschränkte sich Rummenigge auf allgemein verständliche Worte. „Für uns ist im Moment wichtig, dass wir gewinnen, für die Tabellensituation und fürs Selbstvertrauen“, sagte er nach dem schwachen Spiel seiner Mannschaft.

Erkenntnisse im Hinblick auf das vorentscheidende Champions-League-Spiel bei Celtic Glasgow? „Jedes Spiel ist anders. Das in Glasgow wird sicher noch mal schwerer sein als das Derby.“ Vor allem wichtiger. Gelingt kein Sieg, ist das zweite frühzeitige Ausscheiden in Folge wohl kaum mehr abzuwenden: „Worst Case“ heißt der Begriff, den Rummenigges Sprache für diesen Fall bereithält.

Die Statistik, die den FC Bayern nach dem siebten Derbysieg in Folge als einsame Macht Münchens ausweist, konnte die enttäuschende Darbietung nicht kaschieren. „Natürlich muss man die Fehler ansprechen“, sagte Hasan Salihamidzic, „wir können nicht zufrieden sein, wir müssen uns klar steigern.“ Deutlichere Worte als der Bosnier fand Kapitän Oliver Kahn. „Wir müssen 50, 60 Prozent drauflegen, sonst brauchen wir gar nicht erst anzureisen.“

Also bat er seine Kollegen, sich „gerade in Sachen Moral und Einsatzwille noch mal zu überprüfen“. Vermutlich schaute Kahn deshalb so ungeduldig, als er das sagte, weil er demnächst auch eine Kassette abspielen könnte mit diesen Worten – so oft hat er sie zuletzt in die Mikrofone gesprochen.

Der Mut und die Entschlossenheit, die das Spiel der Bayern beim 4:1 gegen Dortmund vor zwei Wochen gekennzeichnet hatten, waren verraucht. Roy Makaay nutzte eine von insgesamt nur drei Chancen in 90 Minuten. „Wir haben die Zweikämpfe viel zu wenig angenommen und zu viele Fehlpässe gespielt“, tadelte Trainer Ottmar Hitzfeld, „unverständlich“ sei das, zumal höchster Einsatz im Celtic Park gefragt sein wird. Optimismus ließ sich also kaum aus den Ereignissen des Tages ziehen, Uli Hoeneß bemühte daher die Erfahrungen aus vergangenen Spielzeiten. Das Match in Glasgow sei eines der „Spiele, die ein Oliver Kahn liebt, die all diese Topspieler wie Lizarazu, wie Sagnol lieben“, sagte der Manager im ZDF-Sportstudio. Doch aussagekräftiger war, was Hoeneß nicht sagte: Namen wie die von Michael Ballack oder Zé Roberto ließ Hoeneß unerwähnt. Die aber müssen auch mitspielen, wenngleich ihnen keine allzu ausgeprägte Liebe zu Topspielen nachgesagt werden kann. Bislang fielen die Bayern der neuen Generation in wichtigen Spielen meist durch Unauffälligkeit auf, etwa beim letztjährigen Entscheidungsmatch in La Coruña.

Das Fehlen Sebastian Deislers lässt Hitzfeld nicht als Ausrede gelten. „Das war natürlich ein Schock für einige Spieler, aber das muss man wegstecken“, sagte der Trainer, der darauf hofft, dass Deisler „baldmöglichst wieder am Trainingsbetrieb teilnehmen kann“. Bis dahin wird sich Hitzfeld einige Zeit gedulden müssen. Ein Treffen mit dem Trainer hat Deisler abgesagt, weil er zurzeit nicht mit dem FC Bayern konfrontiert werden möchte.

Trotz sichtbarer Fortschritte sei die Prognose über eine Rückkehr noch nicht möglich. Wichtig sei, sagte sein Arzt Florian Holsboer, dass „Sebastian so stabil ist, dass er den Belastungen seines Berufs dauerhaft standhalten kann“. Besonders groß wird die Belastung Dienstagabend für Deislers Kollegen sein, wenngleich ein Ausscheiden, wie Hoeneß versicherte, keinen allzu dramatischen wirtschaftlichen Schaden verursachen könne. „Wir sind wahrscheinlich der gesündeste Verein der Welt, wir haben eine Eigenkapitalquote von 76,4 Prozent.“ Worte, die sicher auch Karl-Heinz Rummenigge gefallen.

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