Sport : Der Minimalrekord

Bayern München verwaltet beim 1:0 gegen Hannover den 14.Bundesligasieg in Serie

Günter Klein[München]

Wie feiert man Rekorde? Mit Umarmungen, mit einem Feuerwerk, mit musikalischen Hymnen? In München wurde am Samstag eine historische Bundesliga-Bestmarke aufgestellt, der FC Bayern vollbrachte mit dem 1:0 (1:0) gegen Hannover 96 den 14. Sieg in Serie und verbesserte damit die Marke, die er selbst – in einer anderen Ära, 1981 unter Trainer Pal Csernai – aufgestellt hatte. Doch die Reaktion des Publikums fiel anders als erwartet aus. Es gab Pfiffe. In der Allianz-Arena kommt jede Regung des Publikums lauter rüber als früher im Olympiastadion, darum hatten die Missfallensbekundungen einen besonders unangenehmen Klang.

„Die Pfiffe haben mich gestört“, sagte Bayern-Trainer Felix Magath. Dass nicht mehr zustande gekommen war als ein „Arbeitssieg“ (Torhüter Oliver Kahn), sei Ergebnis der destruktiven Spielweise der Hannoveraner gewesen. „Wir haben doch alles versucht“, sagte Magath. „Ich habe zu Beginn schon mit Lizarazu einen defensiven Mann draußen gelassen und später drei offensive Leute eingewechselt. Aber wenn der Gegner nicht mitspielt, kann man kein Spiel machen – das ist auch beim Schach so.“ Die Spieler der Bayern überkam eine Art Handlungsohnmacht. „Hannover stand nur in der eigenen Hälfte. Da war kein Platz, kein Raum“, sagte der Münchner Verteidiger Valerien Ismael. „Mit Bremen habe ich nie so einen defensiven Gegner bekommen.“

Naturgemäß sahen sich die Niedersachsen nicht in der Rolle des Spielzerstörers. Für sie war die Niederlage nur „sehr traurig“, wie Abwehrmann Per Mertesacker befand. „Ich denke schon, dass wir ein paar Möglichkeiten hatten, und dass das Tor gegen uns nach einer Standardsituation fiel, sagt alles.“ Der einzige Treffer fiel in der achten Minute. Willy Sagnol konnte mit einem Freistoß aus 40 Metern den Ball auf den Kopf des Argentiniers Martin Demichelis platzieren – und das 1:0 war eigentlich schon der letzte attraktive Moment des Nachmittags.

Hannovers Trainer Ewald Lienen, der inzwischen nicht mehr mit Zetteln arbeitet, sondern mit einem Spiralblock, gab einen ganz speziellen Eindruck aus seinen Aufzeichnungen wieder. So zurückhaltend habe seine Mannschaft nicht agiert, man müsse sie einmal mit Englands Meister FC Chelsea vergleichen. „Die stehen alle am Fünfmeterraum, da sind wir mutiger.“ Lienens Anmerkung ließ dann auch bei seinem Kollegen Magath die schlechte Laune etwas weichen. Er schmunzelte – widersprechen wollte er der These nicht. „Ich war mit Ewald zusammen in der Fußballlehrer-Ausbildung, und er hatte die beste Note, eine eins. Meine Note verrate ich nicht.“

Nun fragen sich die Bayern, ob die Serie noch ausbaufähig ist. „Am Dienstag bei Eintracht Frankfurt wird es leichter“, tippt Magath. Und Mittelfeldspieler Owen Hargreaves verspricht, dass „spielerisch bessere Zeiten kommen“. Doch der Engländer gesteht auch: „Momentan ist die Mannschaft etwas müde.“ Der Schwung vom Saisonbeginn ist dahin, und ebenso wie die Münchner auf den 15. Sieg hoffen, rechnen sie mit dem Ende der seit dem 19. März bestehenden Serie. „Ohne Einstein Konkurrenz machen zu wollen“, sagt Felix Magath, „weiß ich, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass wir jetzt mal verlieren.“

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