Sport : Der mit dem Ball redet

Quadre Lollis war bei Alba lange verletzt – nun kämpft er sich mit neuer Motivation zurück

Helen Ruwald

Berlin. Es sieht so simpel aus. Quadre Lollis steht an der Freiwurflinie, tippt den Ball ein paar Mal auf den Boden, richtet sich auf und lässt den Ball Richtung Korb fliegen.

Lollis misst exakt zwei Meter, der Korb hängt 3,05 Meter über dem Boden. Der Ball klatscht an den Ring. Auch beim nächsten Versuch scheitert der US-amerikanische Basketballer des Deutschen Meisters Alba Berlin. Nur drei von acht Freiwürfen verwandelte Lollis beim 94:74-Sieg im ersten Play-off-Viertelfinale gegen die Skyliners Frankfurt am Sonntag, das entspricht einer Quote von 37 Prozent. Schlechter als der Flügelspieler traf an diesem Tag kein einziger Spieler von der Freiwurflinie.

Weil seine Mannschaft trotzdem so souverän siegte, konnte Quadre Lollis, der mit seinem Team heute (Beginn 20 Uhr) zum zweiten Play-off-Spiel in Frankfurt antritt, anschließend über sich selber lachen. „Ich habe dem Ball gesagt, er soll reingehen, aber er hat es nicht gemacht.“ Von Konzentrationsproblemen sprach Lollis, der grundsätzlich Albas schlechtester Freiwerfer ist. Doch für Trainer Emir Mutapcic geht es um mehr als um ein paar Punkte. „Er muss sich bei den Freiwürfen verbessern, dann kommt auch sein Selbstvertrauen zurück“, sagt Emir Mutapcic.

Nun ist es nicht so, dass der 30-Jährige völlig von der sportlichen Rolle wäre, keineswegs. Gegen die Skyliners machte er 17 Punkte und holte sieben Rebounds – eine starke Bilanz. „Seine Kurve geht nach oben. In der Verteidigung ist er schon sehr gut“, sagt Mutapcic, fügt aber auch hinzu, „er ist noch nicht auf dem alten Niveau, er muss und kann seine Leistung noch steigern.“ Die Saison teilt sich für Lollis, der zu Saisonbeginn von Ülker Istanbul kam, in ein Vorher und ein Nachher.

Die Schnittstelle für beides ist ein Training, das mittlerweile ein Vierteljahr zurückliegt. Lollis knallte auf die Hüfte und zog sich dabei einen Bluterguss zu. Die Schmerzen schleichen sich bei bestimmten Bewegungen immer noch ein. „Aber ich kann im Spiel ja nicht darüber nachdenken, wie ich mich bewegen soll.“ Er pausierte kurz, quälte sich wochenlang durch die Spiele. Ein sichtbares Kennzeichen, dass etwas nicht stimmte, war das fehlende Lachen. Die Fröhlichkeit war aus seinen Gesichtszügen gewichen. Doch er musste sich durchbeißen. Alba brauchte ihn, zu viele andere Spieler fielen verletzt aus, zu wichtig war er für die Mannschaft.

Die Berliner schieden in der Euroleague-Vorrunde als Vorletzter ihrer Gruppe aus, dennoch machte Lollis international auf sich aufmerksam: als Sechster in der Rangliste der wertvollsten Spieler der Vorrunde und als drittbester Rebounder.

Überhaupt sind die Rebounds ein nicht zu unterschätzendes Problem: Zwei Meter hört sich groß an, doch zwischen all den langen Basketballern gelten andere Maßstäbe. Lollis’ Gegenspieler überragen diesen meist noch ein Stück, dennoch verblüffte der US-Amerikaner monatelang durch seine unglaubliche Sprungkraft. Er hüpfte höher als die anderen und schnappte sich die Bälle, wieder und immer wieder.

Unter der Verletzung hat aber auch sein Sprungvermögen gelitten, er kommt nicht mehr ganz so hoch hinaus. „Er lebt von seiner Kraft und Kondition“, sagt Mutapcic. Von seiner Fitness eben. Und richtig fit, sagt Lollis, werde er in dieser Saison nicht mehr werden. Dazu bräuchte er eine wochenlange Verschnaufpause.

Doch eine Verschnaufpause wird es für Lollis und die Mannschaft erst nach Albas Ausscheiden in den Play-offs geben – oder nach dem erneuten Titelgewinn. Denn das einzige, was momentan zählt, ist das W. Lollis sagt: „Wir brauchen das W.“ W steht für Wins. Für Siege.

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