Sport : Der mit dem König telefoniert

Wenn der spanische Formel-1-Fahrer Fernando Alonso siegt, dann freut sich auch Juan Carlos – sein größter Fan

Karin Sturm

Monza. In Spanien ist der Formel-1-Fahrer Fernando Alonso fast schon so bekannt wie König Juan Carlos. Seine Landsleute fragen sich nun seit dem WM-Lauf in Ungarn vor 14 Tagen, bei dem der 22-Jährige als der jüngste Grand-Prix-Sieger aller Zeiten geehrt wurde, ob er nun auch der neue König in der Formel 1 wird. Der junge Spanier sorgte für den ersten Renault-Sieg seit 20 Jahren, seit Alain Prost in Österreich 1983. Für die Medien seines Landes war danach endgültig klar, dass Alonso der Michael Schumacher der Zukunft sein wird. Doch der in Diensten von Renault stehende Spanier, der aus Oviedo in der Provinz Asturien stammt, hört diesen Vergleich nur sehr ungern. „Ich will kein zweiter Michael Schumacher sein – ich bin Fernando Alonso“, sagt er immer wieder, wenn die große Zahl der Schulterklopfer ihn immer wieder damit konfrontiert. Gefreut hat sich der neue Formel-1-Star jedoch in Ungarn über den Anruf von Juan Carlos. Der König gratulierte ihm erneut, was er auch schon nach den Podestplätzen von Alonso in Malaysia und in Barcelona getan hatte. „Er ist ein großer Formel-1-Fan“, erzählt Alonso ein bisschen verlegen, „deswegen erkundigt er sich auch mal gern direkt bei mir, was los gewesen ist.“

Es scheint Fernando Alonso eher ein bisschen unangenehm zu sein, ständig über diese Kontakte zum König sprechen zu müssen, denn eigentlich ist diese große Welt nicht seine Welt. Auch der Sieg auf dem Hungaroring, sagt er, habe ihn schließlich nicht verändert. Er sei immer noch der ganz normale Junge von nebenan, der seine Zeit am liebsten mit seiner Familie in Spanien oder auch mit Freunden in England verbringe, wo er derzeit wohnt. „Das ist das Einzige, was sich verändert hat. Es ist jetzt noch schwieriger geworden, zum Beispiel abends mal einfach so wegzugehen, zum Essen oder zum Bowling, weil ich nun wirklich überall erkannt werde“, sagt er fast mit Bedauern.

Beliebt wie die Schumachers

Das war auch in der vergangenen Woche so bei der offiziellen Formel-1-Testwoche in Monza. Bei seinem ersten Auftritt auf einer Rennstrecke nach dem Sieg in Ungarn, bekam er die neue Popularität zu spüren. Die Fan-Gruppen, die sich bei jedem Schritt an seine Fersen hefteten, waren fast so groß wie jene, die versuchten, sich um die doppelt und dreifach abgeschirmten Ferrari-Piloten zu versammeln. Und mindestens so groß wie jene, die sich um die WM-Kandidaten Juan Pablo Montoya und Kimi Räikkönen scharten. Mit den beiden Rennfahrern von BMW-Williams und McLaren-Mercedes stand Alonso gemeinsam in Ungarn auf dem Podium. Bei der Siegerehrung nach dem 13. WM-Rennen der Saison war damit die Generation der aussichtsreichsten Schumacher-Erben auf einmal versammelt.

Was Fernando Alonso im Vergleich mit ihnen besonders auszeichnet, sind nicht nur seine Abgeklärtheit, seine Hingabe, sein natürlicher Speed und seine Intelligenz, mit der er sich nach Auskunft seiner Ingenieure auch immer tiefer in die Technik der Formel 1 einarbeitet, sondern auch eine ganz besondere Fähigkeit, die nur ganz wenige Piloten haben: vom Start weg absolut voll da zu sein, gleich am Anfang eines Rennens die Konkurrenz mit ein paar superschnellen Runden zu beeindrucken. Ayrton Senna konnte das in Perfektion, auch Michael Schumacher immer wieder – und jetzt also auch Alonso. In Ungarn lag er nach zehn Runden schon über 18 Sekunden vor dem Zweiten und fragte über Funk ganz erstaunt: „Wo sind bloß die anderen?“ Ihm half dabei zwar etwas, dass Mark Webber den schnelleren Kimi Räikkönen deutlich aufhielt, aber seine Leistung war dennoch beeindruckend.

Dass Alonso nach Ungarn sogar noch in den WM-Titelkampf eingreifen könnte, glaubt er nicht. „In dieser Saison nicht mehr, die restlichen drei Strecken dürften unserem Auto auch nicht so liegen“, sagt er, „aber nächstes Jahr, da haben wir sicher ein noch besseres Auto, vor allem mehr Leistung. Und dann will ich auch auf jeden Fall ein paar mehr Rennen gewinnen und um den WM-Titel kämpfen.“ Mit nur 18 Punkten Rückstand auf Michael Schumacher ist eine theoretische Chance sogar noch in dieser Saison gegeben. „Ich bin kein Träumer. Erstens ist das bei noch drei zu fahrenden Rennen ein gewaltiger Abstand, und zweitens, speziell in Monza und auch in Indianapolis, dürfte es uns doch an Motorleistung fehlen, um ganz vorn mitzufahren.“

„In Spanien ganz oben“

Erst für Suzuka, wo das Saisonfinale am 12. Oktober stattfinden wird, rechnet er wieder mit der Chance zumindest auf einen Podestplatz. Und damit, wenn Alonso in Japan wieder ganz vorn mitfährt, könnte er zumindest indirekt in den WM-Titelkampf zwischen Schumacher, Montoya und Räikkönen eingreifen. Diese Konstellation macht ihn nicht besonders nervös: „Wenn es so kommen sollte, dann kommt es eben so. Aber das würde für mich überhaupt nichts ändern. Ich fahre auf jeden Fall mein eigenes Rennen. Was die anderen machen, wie die WM ausgeht, das ist mir egal.“ Noch ist ihm das egal, solange sich Alonso nicht selbst im Titelkampf befindet. „In Spanien ganz oben“, lautet ein Werbespruch für Asturien, dieser auf der iberischen Halbinsel ein bisschen vergessenen Nord-West-Provinz. Den hat Fernando Alonso für sich ein wenig wahr gemacht. In der Formel 1 und in der Welt ganz oben zu sein, das ist jetzt sein nächstes Ziel.

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