Sport : Der Mitläufer

Kosenkow sprintet beim Istaf in Ungers Schatten

Frank Bachner

Berlin - Alexander Kosenkow kann das nicht: eine Show abziehen. Er kann sich vor dem Start nicht inszenieren wie andere Sprinter. Er fällt nicht auf, das kommt ihm jetzt zugute. Der 28-Jährige vom TV Wattenscheid muss sich nicht rechtfertigen, er muss nicht ständig erklären, warum er nicht schnell genug läuft. Oder, wie es Uwe Hakus, der Bundestrainer der deutschen Sprinter, sagt: „Er läuft nicht ständig gegen die 10,14 Sekunden an.“ Alexander Kosenkow ist im August 2003 in Leverkusen über 100 Meter 10,14 Sekunden gelaufen. Zwei Jahre, bevor Tobias Unger mit 10,16 Sekunden Deutscher Meister wurde. Über Unger reden alle. Olympiasiebter über 200 Meter, WM- Siebter von 2005 über 200 Meter, die große deutsche Sprinthoffnung. Über Kosenkow redete 2003 kaum jemand. Die 10,14 Sekunden fielen nur Insidern auf. Ein Mitläufer, das war seine öffentliche Rolle. Sie ist es geblieben.

Beim Golden-League-Meeting Istaf am Sonntag in Berlin starten beide, sie sprinten die 100 Meter. Aber Kosenkow läuft im Schatten von Unger. Wenn er nach den 10,14 Sekunden weitere Topzeiten geliefert hätte, für deutsche Verhältnisse jedenfalls, dann hätte er vielleicht diese Rolle erhalten: der Hoffnungsträger. Aber bei Olympia 2004 scheiterte er mit 10,24 Sekunden im 100-Meter-Zwischenlauf, und 2005 steht seine Bestzeit bei 10,28 Sekunden.

Natürlich will Kosenkow seine Rolle abstreifen. Aber er verkrampfe nicht dabei, sagt Hakus. „Er weiß, dass er das Potenzial hat, wieder 10,14 Sekunden zu laufen. Aber diese Zeit war auch ein Highlight, so schnell läuft man nicht jeden Tag. Er soll sich im Bereich 10,20 stabilisieren.“ Und dann ist da ja noch die 4-x-100-Meter-Staffel. Kosenkow läuft in der Kurve, er ist dort schneller als einige US-Stars. In der Staffel holt sich der Sportsoldat seine Erfolgserlebnisse. „Er hat in der Staffel einen unglaublichen Willen“, sagt Hakus. Kosenkow sagte ihm vor kurzem, dass er bei der WM 2006 mit der Staffel eine Medaille wolle.

Es gibt diese generelle Harmonie im deutschen Sprintteam. Das prägt auch das Verhältnis von Kosenkow zu Unger. „Alexander hat Tobias die Erfolge von Herzen gegönnt“, sagt Hakus. Außerdem weiß Kosenkow natürlich auch, was er dem anderen verdankt. „Der Tobias“, sagt Hakus, „hat doch dem ganzen deutschen Sprint Aufmerksamkeit verschafft.“

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