Sport : Der Moment ist gekommen

Zinedine Zidane hat seinen Rücktritt aus Frankreichs Fußball-Nationalmannschaft erklärt

Christian Tretbar[Paris]

Es war am 17. August 1994 in Bordeaux. In der 63. Minute im Freundschaftsspiel zwischen Frankreich und der Tschechischen Republik wechselte Aimé Jacquet einen neuen französischen Hoffnungsträger ein: Zinedine Zidane. Und der damals 22-Jährige bewies sofort, dass er einmal ein großer Spieler werden würde. Er erzielte beide Tore für Frankreichs Nationalmannschaft zum 2:2-Endstand. Es folgten 24 weitere Tore in 92 weiteren Einsätzen, ein WM- und ein EM-Titel. Zinedine Zidane hat alles gehalten, was er in jener Augustnacht in Bordeaux versprochen hatte. Gestern, fast genau zehn Jahre später, ist diese Ära zu Ende gegangen. „Ich werde meine Karriere in der französischen Nationalmannschaft beenden“, erklärte Zidane. Diese Entscheidung habe er sich reiflich überlegt, sie habe auch nichts mit Frankreichs enttäuschendem Abschneiden bei der Europameisterschaft in diesem Jahr zu tun.

„Es gibt einfach einen Moment, in dem man Stopp sagen muss“, schrieb Zidane. Und dieser Moment sei jetzt gekommen. Auch weil nahezu alle seine Freunde wie Lizarazu, Desailly und Thuram, mit denen er vor sechs Jahren Weltmeister geworden ist, vor einigen Wochen schon ihren Abschied bekannt gegeben haben. Zidane: „Großartige Fußballer sind gegangen, nun bin ich dran.“ Einzig Torwart Barthez denkt noch ans Weitermachen.

Trotzdem ist es das Ende der erfolgreichsten Fußballgeneration Frankreichs, die am 12. Juli 1998 in Paris Weltmeister wurde. Schon damals ragte Zidane aus dieser ohnehin großartigen Mannschaft heraus, nicht nur wegen seiner beiden Tore beim 3:0-Erfolg im Finale gegen Brasilien. Auch beim Gewinn der Europameisterschaft zwei Jahre später begeisterte er wegen seines Spielwitzes, seiner Fähigkeiten am Ball, seinem Blick für die Mitspieler und seiner Torgefährlichkeit. In den entscheidenden Situationen war der dreifache „Weltfußballer des Jahres“ zur Stelle. Wie zuletzt auch bei der EM in Portugal, wo er ein bereits verloren geglaubtes Spiel gegen England mit zwei Toren kurz vor Schluss allein wendete. Sein Stellenwert in der Mannschaft wurde noch deutlicher, als sich beim 1:2-Rückstand gegen Kroatien die Kollegen um ihn versammelten und seinen Rat suchten.

Auch außerhalb der Stadien war Zidanes Rolle kaum zu überschätzen. Als Sohn algerischer Eltern in Frankreich erbrachte er den Beweis dafür, dass eine multikulturelle Gesellschaft funktionieren kann. In Erinnerung bleiben werden aber seine sportlichen Erfolge – und die großen Niederlagen. „Ich habe schöne, aber auch schlechte Momente mit der Nationalmannschaft erlebt“, resümiert Zidane. Neben der EM in Portugal meint er damit vor allem die WM 2002 in Asien. Das desaströse Ausscheiden in der Vorrunde hat er nie vergessen. Trotzdem: „Die schönen Momente überwiegen.“

Und ein paar davon wird es ja noch geben. Bei Real Madrid dürfen die Zuschauer Zidane noch bis 2007 bewundern. Doch Frankreich will sich mit seinem Verlust noch nicht abfinden. Die Sportzeitung „L’Equipe“ bittet Zidane, den Abschied noch zu verschieben. Noch einmal sollen die „Zizou“-Sprechchöre durch das „Stade de France“ in Paris schallen: „Ein einziges Mal, bitte, um es noch einmal zu genießen.“

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