Sport : Der Motivator vom Main

Eishockey-Trainer Chernomaz und seine Erfolgsgeschichte

Claus Vetter

Berlin. Rich Chernomaz ist heiser. „Macht nichts“, sagt er. „Das geht mir schon seit fünf Wochen so. Man muss seine Spieler jeden Tag motivieren, immer einen neuen Weg der Ansprache finden.“ Sonst höre irgendwann keiner mehr zu. Der Job eines Eishockey-Trainers bringe nun mal mit sich, dass die Stimmbänder lädiert seien. „Besonders nach Niederlagen. Da sollte man mir übrigens lieber nicht über den Weg laufen.“ In diese Situation kamen die Spieler des 40-jährigen Kanadiers zuletzt selten. Die Frankfurt Lions sind diese Saison die Überraschungsmannschaft in der Eishockey-Liga und nicht nur das: Die Hessen führen in der Finalserie gegen die Berliner Eisbären 2:1. Ein Sieg fehlt noch und Frankfurt wäre zum ersten Mal deutscher Meister.

Chernomaz will noch nicht vom Titel sprechen. „Die Berliner haben sich nicht aufgegeben, die werden am Freitag alles versuchen“, sagt er. Der Trainer will lieber darüber philosophieren, warum seine Lions so weit gekommen sind. Der ehemalige Eishockey-Profi ist ein stämmiger Typ, mit lauter und momentan etwas krächzender Stimme. Abseits öffentlicher Auftritte ist Chernomaz jemand, der nicht durch die Stereotypen der Sportsprache auffällt. Er gilt als großer Motivator und hat trotz kurzer Trainerkarriere viel Erfolg vorzuweisen.

Anfang 2002 hatte er die Kölner Haie als Interimstrainer übernommen, nachdem Chefcoach Lance Nethery – heute Manager in Frankfurt – gegangen war. Das Team galt als zerstritten, der Kotrainer sollte die Saison nur zu Ende bringen. Es kam anders: Die Haie marschierten mit Chernomaz durch bis zur Finalserie, die sie dann in fünf Spielen gegen Mannheim für sich entschieden. Das hatte Chernomaz kaum einer zugetraut, denn viel Erfahrung als Trainer hatte er nicht. Er hatte seine Spielerkarriere erst 1999 beendet, danach war er für zwei Jahre Trainer beim Provinzklub Schwenningen. „Das war meine Lehrzeit und sie begann komisch. Im Jahr zuvor hatte ich da noch gespielt, dann musste ich meinen ehemaligen Mitspielern Kommandos geben.“

Ausgelernt hatte er nach zwei Jahren Schwenningen noch nicht, daher wurde er Kotrainer in Köln. Nachdem er als Chef dann Meister geworden war, wurde er trotzdem entlassen. Hans Zach hatte schon vor dem überraschenden Titelgewinn einen Vertrag in Köln unterschrieben. Erst als ein halbes Jahr später die Augsburger Panther ihren Trainer entließen, hatte er wieder Arbeit. Wieder nur Eishockey-Provinz, wie in Schwenningen. Immerhin: Chernomaz rettete Augsburg vor dem Abstieg. Wieder einmal wurde er als Retter gefeiert. Das befriedigt auf Dauer nicht, sagt er. Mit den Lions, die sich im Vorjahr nur durch die Insolvenz von Schwenningen vor dem Abstieg retteten, konnte er endlich mal von vorn anfangen. „Erfolg basiert auf einem Prozess. Das geht im Trainingslager los. Du hast nur die Spieler, die du hast. Das musst du als Trainer verinnerlichen, du musst ihre Philosophie kennen lernen.“ Natürlich müssten die Spieler auch die Ideen des Trainers übernehmen, sagt er. „Man trifft sich in der Mitte.“ Das sei aber nicht alles. Chernomaz spricht von einer perfekten Organisation, das Umfeld müsse stimmen. „Wichtig ist, dass du den Spielern keine Möglichkeit der Entschuldigung für eine schlechte Leistung gibst.“

Entschuldigen musste sich des Trainers Personal in der Serie gegen die Eisbären bislang nur einmal. Nach dem 2:5 im ersten Spiel haben sie die Berliner zweimal niedergerungen, das 4:3 nach Verlängerung am Montag war eine gewonnene Nervenschlacht. „Unsere Stärke ist, dass die erfahrenen Spieler Verantwortung übernehmen. Sie vermitteln den jungen Spielern, worauf es ankommt.“ Schaffen sie das auch am Freitag im vierten Spiel gegen die Eisbären? „Am Willen der Spieler wird es nicht liegen“, sagt Rich Chernomaz. „Und dann kommt noch dazu, dass die Lions einen Trainer haben, der nicht gern verliert.“

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