Sport : Der Motivator

Nürnbergs Trainer Poss ist der Shooting-Star im Eishockey

Claus Vetter

Berlin. Pierre Pagé und Greg Poss werden wohl nicht mehr die größten Freunde. Dabei hat der Trainer der Berliner Eisbären zu Anfang seines Engagements in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) stets mit Respekt über Poss gesprochen. Doch das ist Geschichte. Beim letzten Spiel der Eisbären in Nürnberg beschwerte sich Pagé über seinen Kollegen: Poss hatte einen Fuß auf die Bande gestellt und lauthals Richtung Schiedsrichter gewettert. „So etwas kannst du in der NHL nicht machen, da bekommst du einen Riesenärger“, sagte Pagé zu Poss. Den interessierte es wenig, die nordamerikanische Profiliga NHL ist selbst für den ehrgeizigen US- Amerikaner noch ein gutes Stück entfernt. Und schließlich hatten seine Ice Tigers ja schon wieder gegen Berlin gewonnen. Zum dritten Mal im dritten Saisonspiel.

Der 38 Jahre alte Poss gilt in der DEL sozusagen als der Shooting-Star. In der vergangenen Saison wurde er von Lesern einer Fachzeitschrift zum Trainer des Jahres gewählt, dieses Jahr durfte er das Team der DEL beim Allstar-Game betreuen. Was Pagé übrigens nicht verstand: „Der Rich Chernomaz hätte das machen müssen, bei dem, was der mit Frankfurt diese Saison erreicht hat.“

Unglaubliches hat Poss in seiner Trainerkarriere noch nicht erreicht. Aber immerhin, die Provinztruppe der Iserlohn Roosters hat er vergangene Saison fast in die Play-offs geführt. Seit dem Sommer betreut Poss den Großstadtklub Nürnberg Ice Tigers. Die Franken sind nun einer der Favoriten auf den Titel, auch weil Poss als großer Motivator gilt. In der Kabine der Ice Tigers geht es mitunter wie auf dem Rummelplatz zu. Mit Beschwörungsrufen haben sie sich etwa bei ihrem jüngsten Gastspiel in Berlin auf das Spiel eingestimmt: Es hat anscheinend genützt, Nürnberg siegte 4:1.

Zuletzt allerdings verließ die Nürnberger das Glück, kein Wunder, dass sie im Endspurt der DEL-Hauptrunde nun um jeden Punkt feilschen. Als Anfang Januar ihr Spiel bei den Scorpions wegen Unbespielbarkeit der Eisfläche in der Hannoveraner Preussag- Arena abgesagt werden musste, einigten sich Scorpions-Trainer Gunar Leidborg und Poss, die Partie zu wiederholen. Ein paar Tage später aber wollte Poss davon nichts mehr wissen: Die Nürnberger bekamen die Punkte von der DEL zugesprochen. Inzwischen ist der Wertungssieg vom Schiedsgericht aberkannt worden, weil Hannover vehement protestiert hatte. „Ich hätte doch nie zugestimmt, nicht zu spielen, wenn der Poss mir nicht gesagt hätte, dass wir ein Wiederholungsspiel machen“, sagte Leidborg.

Am Sonntag verloren die Ice Tigers 0:3 in Düsseldorf, sie sind auf Platz sechs abgerutscht, was Poss gar nicht gefällt. „Ich erwarte mehr von meiner Mannschaft“, sagt er. „Vor allem müssen wir disziplinierter spielen.“ Doch mit der Disziplin ist es nicht so einfach, weil sie nun Adam Spylo in ihren Reihen haben. Spylo haben sie unlängst vom EHC Freiburg verpflichtet. Dort hatte der für seine Eskapaden bekannte Deutschkanadier seinem Trainer während eines Spiels Wasser aus seiner Trinkflasche ins Gesicht gespritzt. Danach durfte er den Klub verlassen.

Beim Spiel in Düsseldorf fiel Spylo vor allem durch seine Ausflüge auf die Strafbank auf. Poss hat es nicht gefallen, er war verärgert. Nach dem Spiel ging es nicht nach Hause, sondern nach Hannover: Zwischenstation auf der Reise nach Berlin, wo die Nürnberger heute (20 Uhr, Sportforum) bei den Eisbären antreten. Wenn sie gewinnen, wären sie die einzige Mannschaft in dieser Saison, die keinen Punkt an die Berliner abgegeben hat. Und gegen diesen Triumph hätte Greg Poss sicher nichts einzuwenden.

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