Sport : „Der muss das sehen“

Nach dem nicht gegebenen Elfmetertor gegen Mainz schimpfen die Kaiserslauterer auf den Schiedsrichter

Frank Hellmann[Kaiserslautern]

Erwin Göbel ärgerte sich. Denn bevor im Fritz-Walter-Stadion beim Pokalspiel gegen Mainz 05 das Elfmeterschießen begann, hatte der Finanzvorstand des 1. FC Kaiserslautern auf der Tribüne flugs ausgerechnet, wie viel ein Vordringen ins Viertelfinale wert sein würde. „Knapp eine Million Euro“, seufzte Göbel später, „die sind uns mit einer Entscheidung geraubt worden.“ Denn Mainz kam mit einem 4:3 im Lotteriespiel vom Elfmeterpunkt weiter, weil, so die mit Vehemenz geführte Klage des FCK, ein korrektes Elfmetertor nicht zählte. Ferydoon Zandi hatte den Ball beim dritten Lauterer Elfmeter an die Unterkante der Latte gewuchtet – und danach war der Ball zum vermeintlichen 3:0 hinter der Linie aufgesprungen. Doch da weder Schiedsrichter Michael Weiner noch sein Assistent Carsten Kadach den Ball dort wähnten, witterte der 1. FC Kaiserslautern Verrat. „Der muss das sehen“, polterte FCK- Trainer Wolfgang Wolf aufgeregt. „Das gab es noch nie, dass ein Elfmeter, der drin ist, nicht gegeben wurde.“ Ervin Skela sagte: „Der Schiedsrichter war die ganze Zeit arrogant. Er winkt nur ab und macht abwertende Gesten. Das war extrem.“

Schon drei Minuten vor dem Mainzer Ausgleich zum 1:1 durch Da Silvas Freistoß sei Gästespieler Manuel Friedrich ein Handspiel im eigenen Strafraum unterlaufen, das nicht geahndet wurde. Gegen den Platzverweis, den sich Skela wegen wiederholten Foulspiels einhandelte, wollten die Lauterer indes keine Einwände erheben. Michael Weiner, 36 Jahre alt, Polizeibeamter von Beruf und Fifa-Referee, äußerte sich nach dem Spiel zu all dem nicht. „Der sitzt kreidebleich in der Kabine“, ließ FCK-Schiedsrichterbetreuer Rudi Merk ausrichten.

Am Ausgang des Spiels wird sich im Nachhinein wohl nichts ändern. Kaiserslautern will heute entscheiden, ob man Einspruch einlegt gegen die Wertung des Spiels, aber Horst Hilpert, der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, teilte schon mal vorsorglich mit: „Es handelt sich um eine Tatsachenentscheidung.“ Die Verantwortlichen des 1. FC Kaiserslautern bemühen jetzt in erster Linie Vergleiche mit dem legendären Phantomtor von Thomas Helmer. Das 1994 zu Unrecht gegebene Tor für Bayern München gegen den 1. FC Nürnberg führte zwar zu einer Neuansetzung des Spiels, kann aber kaum als Präzedenzfall gelten. Im Gegenteil: Der DFB handelte sich damals eine Rüge des Weltverbandes Fifa ein und musste gar einen WM-Ausschluss fürchten. Seitdem gilt auch in Deutschland: Tatsachenentscheidungen sind Heiligtümer.

Bleibt also die Frage: Welcher Vorwurf ist Weiner und seinem auf Höhe der Torlinie postierten Assistenten Kadach zu machen? Dass sie in Realgeschwindigkeit einen aufspringenden Ball, mit wuchtigem Spannstoß mit rund 100 Stundenkilometer vom Elfmeterpunkt abgegeben nicht dort sahen, wo ihn die Superzeitlupe des Fernsehens festhielt, nämlich hinter der Torlinie. Selbst die stets zu solchen Anlässen geführte Debatte um den Chip im Ball ist wenig zielführend: Erste Tests jedenfalls brachten vernichtende Ergebnisse.

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