Sport : Der Nachfolger Türkische Fußballer in Berlin – wer schon da war

Hertha hat einen Stürmer gefunden – der Türke Mustafa Özkan könnte im Sommer Michael Preetz beerben

André Görke,Thomas Seibert

Von André Görke und

Thomas Seibert

Berlin/Istanbul. Am Nachmittag klingelte im Westen der Türkei das Telefon. Mustafa Baysal war in der Leitung. Ja, natürlich, zwei, drei Fragen könne er beantworten, sagte der Vorsitzende des türkischen Erstligisten Denizlispor. Und bestätigte: „Ja, Hertha BSC ist an unserem Stürmer Mustafa Özkan interessiert.“ Im Gespräch mit dem Tagesspiegel in Istanbul sagte Baysal: „Bislang aber haben nur Hertha BSC und Özkan miteinander gesprochen.“ Dass sich die Berliner jetzt sehr bald bei Denizlispor melden, ja, „davon gehe ich aus“.

Hertha hat anscheinend den passenden Stürmer gefunden. Özkan, in Deutschland aufgewachsen, ist 1,89 Meter groß und wird in zwei Wochen 28 Jahre alt. Der kopfballstarke Mittelstürmer könnte im Sommer Michael Preetz beerben. Herthas Mannschaftskapitän wird dann seine Karriere beenden. Özkans Vertrag läuft im Juni aus, und er wäre somit ablösefrei, sagt Denizlispors Vorsitzender Baysal. Aber: „Neben Hertha hat auch Besiktas Istanbul Kontakt aufgenommen.“

Dass Hertha an Mustafa Özkan großes Interesse hat, wurde dem Tagesspiegel auch aus deutschen Expertenkreisen bestätigt. Herthas Spielerbeobachter Rudi Wojtowicz will sich dazu jedoch nicht äußern. Nur so viel: „Wir schauen uns verstärkt auf dem europäischen Markt um.“ Denn: „Unser Kontingent an fünf Nicht-EU-Ausländern ist erschöpft.“ Bei einem türkischen Spieler gäbe es dieses Problem nicht: Obwohl die Türkei kein Mitglied der EU ist, haben Fußballprofis aus diesem Land trotzdem die gleichen Statuten wie Spieler aus EU–Ländern. So sind die Richtlinien der Uefa.

Doch Paragraphen sind nicht so entscheidend: Viel mehr würde Mustafa Özkan in das Anforderungsprofil von Hertha BSC passen. Denn in Berlin leben etwa 180 000 Menschen türkischer Herkunft, davon 30 000 allein im Bezirk Kreuzberg. 20 000 kicken im Berliner Amateurfußball. Das ist für einen Verein wie Hertha BSC ein gewaltiges Zuschauerpotenzial, das der Klub bislang nicht erreicht hat. Herthas Manager Hoeneß versucht deshalb seit drei Jahren, einen populären türkischen Spieler nach Berlin zu locken.

Im Jahr 2000 führte er Gespräche mit dem damaligen Kapitän der türkischen Nationalmannschaft, Hakan Sükür. Doch der war damals „nicht zu bezahlen“, sagt Hoeneß. Vor einem Dreivierteljahr dann sei die zweite Anfrage gescheitert: Sükür habe sich „nur halbherzig“ geäußert, sagt Hoeneß.

Im Oktober nun war Ilhan Mansiz in Berlin gewesen. Der Stürmer war einer der türkischen Stars bei der Weltmeisterschaft in Asien. „Wir haben miteinander gesprochen, aber nicht verhandelt“, sagt Hoeneß. Mansiz hat jedoch bei Besiktas Istanbul bis 2005 verlängert. Als Hoeneß von dieser Nachricht hörte, sagte er: „Wir werden das Thema weiter verfolgen.“

Mansiz und Özkan habe eine Gemeinsamkeit: Beide sind in Süddeutschland geboren und dann in die Türkei gewechselt. So kickte Özkan in den Neunzigerjahren für den 1. FC Nürnberg und die Stuttgarter Kickers. Da er auch Deutsch spricht, würde ihm die Integration leicht fallen – viel eher als einem Brasilianer. Dass er die Sprache beherrscht, hat auch den Vorteil, dass ihn in Berlin vor allem die junge Generation der Deutsch-Türken schnell akzeptieren würde. In der Fußball-Branche hat sich Özkan einen guten Namen gemacht: In der Liga hat er bislang sechs Tore erzielt, im Uefa-Cup gegen Sparta Prag zuletzt zwei.

Bislang stehen für die kommende Saison drei Stürmer im Kader von Hertha BSC: die beiden Brasilianer Alex Alves, Luizao – und Artur Wichniarek. Dessen Transfer steht seit dem Sommer fest. Wichniarek wird im Juli ablösefrei von Bielefeld zu Hertha wechseln.

Der Mittelstürmer Mustafa Özkan vom türkischen Erstligisten Denizlispor wäre nicht der erste türkische Fußballspieler, der bei einem Berliner Bundesligisten unter Vertrag steht. Und natürlich haben alle Vereine, Hertha BSC, Tennis Borussia und Blau-Weiß 90, die in der Vergangenheit türkische Spieler verpflichtet haben, auf große Zuschauerresonanz der in Berlin lebenden Türken gehofft – allerdings vergeblich. Vermutlich lag es vor allem daran, dass große türkische Stars nicht darunter waren.

Hertha BSC:

Ayhan Gezen (1993/1995)

Hasan Vural (1996/1997)

Tennis Borussia:

Taskin Aksoy (1999/2000)

Müslüm Can (1998/2000)

Celaleddin Kocak (1998/2000)

Faruk Namdar (1998/1999)

Blau-Weiß 90:

Selcuk Yula (1985/1986)

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