Sport : Der Nächste, bitte

Der FC Bayern München kehrt mit dem Spiel gegen Bochum in den Bundesliga-Alltag zurück

Thomas Becker[München]
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Das letzte Treffen mit Louis van Gaal vor einem dieser Spiele gegen eine der so genannten grauen Mäuse der Bundesliga war kein Spaß für die versammelten Journalisten. Statistiken, die auswiesen, dass der FC Bayern München zuletzt vor den großen Partien gegen die so genannten Big Player der heimischen Liga und der Champions League jeweils nicht gewinnen konnten, all das wollte der Niederländer nicht hören. Statt dessen stieß er mal wieder eine Suada gegen Journalisten im Allgemeinen und Besonderen aus, gipfelnd in dem Vorwurf, dass man nicht mitarbeite am Prozess FC Bayern. Wie zum Trotz gewann sein Klub gegen Hannover, und das auch noch mit dem gänzlich unbescheidenen Ergebnis von 7:0.

Nach dem nicht anders als triumphal zu bezeichnenden 3:0 im Champions-League-Halbfinale bei Olympique Lyon und vor dem Endspiel in Madrid gegen Inter Mailand hat der Bundesligaspielplan für die Münchner noch zwei scheinbar lästige Pflichtaufgaben auf den Kalender gezaubert: die Abstiegskandidaten VfL Bochum und Hertha BSC – tiefgraue Bundesliga-Unterklasse. Los geht es am Sonnabend mit den Spar-Kickern aus dem Westen. Bis auf Bayerns Kotrainer, den Ex-VfL-Eisenfuß Hermann Gerland, freut sich wohl kaum ein Münchner auf die Truppe aus dem Pott. Gegen die muss man halt gewinnen, kann also nur verlieren.

Chef-Küchen-Psychologe Felix Magath, nebenher Trainer von Schalke 04, hatte ja unlängst nach dem 1:1 des FC Bayern in Mönchengladbach schon kundgetan, dass die viel beschäftigten Münchner in der Liga nicht nur die Konzentration, sondern auch noch den ein oder anderen Punkt liegen lassen würden. Doch dass diese trotz so mancher Verletzung oder Sperre dermaßen fokussiert auftretende Truppe so kurz vor dem Ziel noch schwächeln könnte, kommt einem gar nicht mehr in den Sinn. Da fehlt in Lyon der Wunderstürmer Franck Ribéry, droht die komplette Innenverteidigung auszufallen – und am Ende heißt es 3:0.

Statt Louis van Gaal stimmten diesmal Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger auf den Bundesliga-Alltag ein, der anscheinend nun doch nicht mehr so grau, sondern etwas Besonderes ist: „Wir sind noch nicht am Ende des Wegs“, meint Lahm, „jetzt kommt die schönste Zeit der Saison, Champions-League-Finale, Pokalfinale, in der Bundesliga ganz oben – wem würde das keinen Spaß machen?“ Auch gegen eine Truppe wie Bochum? „Die stecken im Abstiegskampf, die kämpfen mit allen Waffen. Wenn wir dagegen halten, habe ich aber überhaupt keine Angst, dass wir nicht gewinnen.“ Auch Mannschaftskollege Martin Demichelis gibt sich optimistisch: „Schalke hat ein schwieriges Spiel gegen Bremen. Schalke kann da zwei oder auch drei Punkte lassen.“

So ganz ohne einen Ausblick auf das große Finale in Madrid geht es aber doch nicht. „Ich habe mir Inter erhofft“, gestand Schweinsteiger, „sie haben Chelsea und Barcelona rausgeworfen, deswegen sind sie für mich auch der Favorit.“ Doch selbst als Außenseiter rechnet man sich durchaus Chancen aus. „Inter liegt uns etwas mehr“, glaubt Lahm.

Einer, der sich dieses Finale wohl am sehnlichsten gewünscht hat, wird nicht mit dabei sein: Franck Ribéry, der von der Uefa für drei Europacup-Spiele gesperrt wurde. „Es ist schade für ihn“, sagte Bastian Schweinsteiger, „ich hoffe, dass er dadurch Wut mit einbringt und uns in den anderen Wettbewerben hilft.“ Da dürfte er wohl richtig liegen. Die ersten Leidtragenden der Ribéry-Spiel-Wut werden Bochums Abwehrspieler sein.

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