Sport : Der Nächste, bitte

Nach dem 0:1 gegen 1860 München ist Nürnberg kaum noch zu retten, damit steht Manager Geenen vor dem Rauswurf

Oliver Trust

Nürnberg. Wolfgang Wolf marschierte im Eiltempo in die Kabine, das Gesicht wie in Beton gegossen. Auf dem Rasen lagen die Spieler des 1. FC Nürnberg wie erschlagen. Aus der Fankurve drangen Pfiffe. Ein Hauch von Endzeit wehte durchs Frankenstadion. 1:2 gegen 1860 München. Ausgekontert von einer spielerisch besseren Mannschaft und damit praktisch jeder Hoffnung beraubt, mit dem neuen Trainer doch noch die Wende zu schaffen. Der Führung durch Martin Driller nach 36 Sekunden folgten die Kontertore von Benjamin Lauth.

Drei Tage hatte Wolfgang Wolf als Nachfolger von Klaus Augenthaler versucht, den Spielern wieder Selbstvertrauen zu geben. „Er hat alles versucht, aber es reicht nicht“, sagte Tommy Larsen. „Wir müssen realistisch sein.“ Realistisch sein, heißt, entweder an ein Wunder glauben oder den sechsten Abstieg des neunmaligen Deutschen Meisters zu akzeptieren. „Im Moment sieht alles nach Zweiter Liga aus“, sagte Wolf. Club-Präsident Michael A. Roth stand mit hochrotem Kopf vor den Kameras und verteidigte den Trainerwechsel. Überall im Stadion hingen Anti-Roth-Transparente. „Geballte Inkompetenz“ stand da geschrieben. Und: „Roth muss gehen.“

Aber der Club-Chef blieb und sagte: „Eines ist doch Tatsache: Wir haben doch in der Rückrunde bis heute nur noch einen fürchterlichen Mist gespielt.“ Roth stellte damit auch Manager Edgar Geenen ein lausiges Zeugnis aus. Geenen verschwand wortlos und kopfschüttelnd. Ist der Abstieg amtlich, dürfte Geenen der Nächste sein, der gehen muss.

Zu zerfahren wirkte die Mannschaft. Selbst mit dem schnellen Tor von Driller im Rücken agierten die Nürnberger verunsichert. „Wir haben uns um den Sieg gebracht“, sagte Wolf. „Die Mannschaft tut mir Leid, sie hat eine hervorragende erste Hälfte gespielt, Kampfbereitschaft und Siegeswillen gezeigt. Viel Hoffnung gibt es nicht mehr.“

Die Münchner bildeten die bessere Mannschaft. Und ausgerechnet der frühere Nationalspieler Thomas Häßler, der in München keinen neuen Vertrag mehr erhält, leitete die Beerdigung der Nürnberger ein. Sein Pass erreichte Lauth genau im richtigen Moment. Der Jungstar der Sechziger lupfte den Ball noch geschickt über Nürnbergs Torwart Darius Kampa hinweg.

Nach dem Rückstand gaben sich die Franken praktisch auf. „Uns hilft nur noch ein kleines Wunder“, sagte Wolf. „Vielleicht.“

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