Sport : Der Nächste, bitte

Wladimir Klitschko gelingt der 50. Knock-out – geboxt wurde so gut wie nicht.

Kurzer Prozess. Wladimir Klitschko schickt Mormeck auf den Boden. Foto: Reuters
Kurzer Prozess. Wladimir Klitschko schickt Mormeck auf den Boden. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Düsseldorf - Der Kampf war eigentlich keiner, aber die Lasershow war schön bunt. Boxweltmeister Wladimir Klitschko hat Samstagnacht mal wieder gewonnen, einen Gegner hatte er streng genommen jedoch nicht. Der Franzose Jean-Marc Mormeck, der ihm im Ring gegenüberstand, hatte einfach nicht die Klasse für einen WM-Kampf. Die 50 000 Zuschauer in der ausverkauften Düsseldorfer Fußballarena erfeuten sich trotzdem am Jubiläums-Knock-out. Gegen den hoffnungslos überforderten Mormeck hatte Klitschko vorher seinen 50. vorzeitigen Sieg angekündigt.

„Wahrscheinlich ist er der beste Gegner, den ich je gehabt habe“, hatte Klitschko vor dem Kampf gesagt. Tatsächlich war Mormeck einer der schlechtesten. „Das war eine Hinrichtung ohne sportlichen Wert“, sagte Ex-Europameister Luan Krasniqi. In der zweiten Runde fiel Schlagverweigerer Mormeck das erste Mal. In der vierten Runde schließlich war das ungleiche Duell dann auch schon beendet.

Die Zuschauer johlten und feierten den Champion für seine Demonstration der Stärke. Doch in erster Linie war es das Unvermögen Mormecks. Der 39 Jahre alte, deutlich kleinere und leichtere Herausforderer ruderte zweimal mit der Rechten. Viel mehr war nicht. „Erbärmlich“, meinte Krasniqi. „Ich habe nicht die Chance bekommen, etwas zu zeigen“, entschuldigte sich Mormeck. „Ich hätte an den Mann ranmüssen, hab’ das aber nicht geschafft.“ 12,26 Millionen Fernsehzuschauer wurden Zeugen des Dramas. Klitschko dagegen bleibt Champion der Verbände WBO, IBF und WBA.

Dass die Klitschkos die Weltrangliste rauf- und runtergeboxt und nun Probleme haben, richtige Gegner für attraktive Kämpfe zu finden, ist weiß Gott nicht ihre Schuld. Aber jemanden zu verpflichten, der schon mit dem Boxen aufgehört hatte, zwei Jahre später zurückkehrte und sich nur durch seinen zwischenzeitlichen Müßiggang ins Schwergewicht gefuttert hat, ist dreist. Weil die Stadien aber trotzdem rappelvoll und die TV-Quoten hoch sind, heiligt der Zweck die Mittel. Der Rubel rollt.

Witali Klitschko, der WBC-Weltmeister, soll im Juni wieder in den Ring steigen, sein jüngerer Bruder Wladimir am 7. oder 14. Juli. Es ist die Pflichtverteidigung seines IBF-Gürtels gegen den Amerikaner Tony Thompson, den er schon mal k.-o. geschlagen hat. dpa

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