Sport : Der nächste Lacher?

Beim Viertligisten Meuselwitz will Hertha BSC sein gestörtes Verhältnis zum Pokal durchbrechen

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Stammkraft. Herthas neuer Torwart Thomas Kraft ist noch nicht befallen vom vereinstypischen Pokalblues. Foto: AFP
Stammkraft. Herthas neuer Torwart Thomas Kraft ist noch nicht befallen vom vereinstypischen Pokalblues. Foto: AFPFoto: AFP

Berlin - Herthas gestörtes Verhältnis zum deutschen Pokal wird immer dann ein Thema, wenn es einen neuen Anlauf gibt. Was eben daran liegt, dass sich der hauptstädtische Bundesligist mit einer Hartnäckigkeit aus dem Wettbewerb verabschiedet, die ihresgleichen sucht. Viele Jahre ist das stete Ausscheiden immer auch irgendwie lächelnd hingenommen worden von den Verantwortlichen, inzwischen aber hat man erkannt, dass Hertha im Pokal zu einer Lachnummer verkommen ist. Seit 1985 wird das Pokalfinale in Berlin ausgetragen, dorthin haben es zwei andere Berliner Mannschaften geschafft. Herthas Amateure 1993 (0:1 gegen Leverkusen) und 2001 der 1.FC Union (0:2 gegen Schalke).

Herthas Manager Michael Preetz spricht von einer „großen und tiefen Sehnsucht in dieser Stadt“ nach einer Finalteilnahme Herthas, auch deshalb habe sich die Mannschaft des Aufsteigers viel vorgenommen für diesen Wettbewerb, der für sie am Sonntag mit dem Spiel beim Viertligisten ZFC Meuselwitz beginnt. Der Klub wolle die „bittere Tradition durchbrechen“, wie es Preetz formuliert. Gemeint ist eine Tradition, die reichhaltig ist an Blamagen – mithin gegen Amateurklubs. Zu den Tiefpunkten einer an solchen nicht armen Historie gehören stellvertretend die Niederlagen bei Holstein Kiel (2002), dem Wuppertaler SV (2007) oder etwa die bei der TuS Koblenz im Vorjahr.

„Es sind schwierige Spiele, weil es nur dieses eine Spiel gibt“, sagt Markus Babbel, von zehn Vergleichen mit unterklassiger Konkurrenz würde man wohl neun gewinnen, aber dieses eine sei die Chance der Kleinen. „Wir müssen also gewarnt sein“, sagt Herthas Trainer. Preetz appelliert deshalb an die Spieler. Im Pokal brauche es ein unverstelltes Bewusstsein, gerade in diesem Spiel müsse sich alles erarbeitet werden.

In Meuselwitz wird Hertha auf Roman Hubnik, Nikita Rukavytsya und Maik Franz verzichten müssen, zudem ist Raffael gesperrt. Beim bisher letzten Pokalauftritt, jener Niederlage in Koblenz, ließ er sich zu einer Unsportlichkeit hinreißen, welche mit einer Roten Karte und drei Pokalspielen Sperre geahndet worden war. „Das muss Raffael eine Lehre sein“, sagt Babbel, ein Spieler seines Formats dürfe sich nicht provozieren lassen: „Jetzt wird er uns nicht helfen können.“ Normalerweise sollte es auch ohne ihn möglich sein, bei einem Viertligisten zu bestehen. Aber was ist schon normal in Herthas jüngerer Pokal-Historie?

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