Sport : Der nächste Schritt

Titelträgerin Petrowa steht in Berlin im Viertelfinale

Stefan Hermanns

Berlin - Nadja Petrowa hat in dieser Woche überraschende Entdeckungen gemacht: Ein bisschen bizarr findet sie es, dass Berlin auf der Anlage des Tennisklubs Rot-Weiß zurzeit aussieht wie eine arabische Enklave, an der Stadt hat sie das viele Grün überrascht, aber eine besondere Erfahrung war für sie, überall in Berlin ihr Gesicht zu sehen. Für Nadja Petrowa, die Tennisspielerin aus Russland, scheint es neu zu sein, als Werbefigur präsent zu sein. Dass sie auf Plakaten, Eintrittskarten und dem Programmheft der German Open neben Justine Hénin, Amélie Mauresmo und Serena Williams und einigen anderen zu sehen ist, hat einen simplen Grund: Nadja Petrowa hat das Turnier im vergangenen Jahr gewonnen.

Auf eine gewisse Weise repräsentiert Petrowa das russische Frauentennis geradezu perfekt: Die 24-Jährige zählt als Weltranglisten-Neunte zu den besten Spielerinnen der Welt, sie spielt mit Wucht, ohne viele Fehler und verfügt über eine solide sportliche Stärke. Doch Solidität ist nicht das, wonach sich das Publikum verzehrt – zumal sie im russischen Tennis im Übermaß vorhanden ist. Das russische Frauentennis ist, wenn man so will, eine multiple Persönlichkeit mit vielen Gesichtern, dass man leicht den Überblick verlieren kann. In den Top Ten der Weltrangliste finden sich vier Russinnen, von den 56 Teilnehmerinnen der German Open kommen zehn aus Russland – kein Land ist bei diesem Turnier stärker vertreten.

Für Nadja Petrowa sind die German Open eines von sieben Turnieren, die sie bisher gewonnen hat. Allerdings hat sie es noch nie geschafft, einen Titel im darauf folgenden Jahr erfolgreich zu verteidigen. In Berlin ist dies ihr Ziel. „Es wäre der nächste Schritt meiner Karriere“, sagt Petrowa. Gestern ist sie ihm ein wichtiges Stück näher gekommen. Gegen ihre Landsfrau Jelena Dementjewa gewann Petrowa nach langer Regenunterbrechung 6:3, 6:3. Durch den Erfolg steht sie im Viertelfinale, in dem die Russin morgen erneut auf eine Russin trifft: auf die an Nummer zwei gesetzte Swetlana Kusnetsowa, ihre Doppelpartnerin.

Der deutliche Erfolg gegen Dementjewa könnte Petrowa neue Zuversicht geben. Nach dem frühen Aus in Warschau (in der zweiten Runde) und ihrem mühsamen Auftaktsieg in Berlin gegen die Französin Severine Bremond hatte sie noch Zweifel an ihrer Form geäußert: „Ich war mit meinem Kopf woanders.“ Gegen Dementjewa, in der Weltrangliste einen Platz hinter ihr, war von gefährlichen Abschweifungen ihres Geistes nichts zu bemerken. Nur das grausige Berliner Wetter verhinderte einen schnellen Triumph Petrowas. Beim Stand von 6:3, 2:1 musste das Match unterbrochen werden. Fast drei Stunden dauerte es bis zur Fortsetzung, und kurz sah es so aus, als könnte Dementjewa daraus den größeren Vorteil ziehen. Sie nahm ihrer Gegnerin erstmals den Aufschlag ab, doch dann kämpfte sich die Titelverteidigerin zurück.

Petrowa hegt „sehr schöne Erinnerungen“ an dieses Turnier. In den vergangenen beiden Jahren stand sie im Finale, jeweils gegen die Belgierin Justine Hénin: 2005 verlor sie, 2006 gelang ihr die Revanche. Ein drittes Mal allerdings wird es das Endspiel Hénin gegen Petrowa nicht geben. In diesem Jahr würden sie schon im Halbfinale aufeinander treffen.

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